Das berühmte AHA-Erlebnis

Ich bin einfach total geflasht. Auch, wenn A. es direkt rausgelesen hat, die unter Euch, die diese Erfahrung (glücklicherweise) nicht machen mussten, haben es gar nicht so richtig „verstanden“. No offense!

Weil es für mich aber so ein wichtiger und großer Schritt ist, erklär ich es gerne nochmal.

Es hat sich etwas verändert.

Ich habe am Freitag meine Periode bekommen. PUNKT. Nichts. Kein Weinen, keine Verzweiflung, keine Wut.
Mehr oder weniger „totale“ Entspannung. Da ist sie eben, die Mens. Pünktlich, wie es scheint.

Warum zerreißt es mich diesmal nicht? Warum liege ich nicht schwer wie Blei auf dem Badezimmer-Boden? Warum bricht mein Herz nicht? WAS IST DENN PASSIERT!?!

Genau das, was ich im letzten Beitrag beschrieben habe. Es ist so verrückt.

Mir ist klar, warum ich die ganze Zeit nicht schwanger werde. Glasklar. Wie Kloßbrühe.

Ich wollte etwas, was nicht geht. Ich wollte das Unmögliche. Das ganze Jahr über versuche ich schwanger zu werden. Aber ich will ,oder wollte, nicht einfach schwanger werden. Ich wollte meine erste Schwangerschaft zurück. Da liegt der Hase im Pfeffer.

Die ganzen Monate habe ich versucht, meine erste Schwangerschaft, mein erstes Kind wieder oder weiter zu haben. Ich habe daran festgehalten. Es ist schwer zu erklären und klingt vielleicht auch verrückt, aber ich habe jetzt erst, und damit meine ich in den letzten 4 Wochen, gemerkt, dass ich dieses Jahr kein Baby mehr bekomme. Es ist September. Auch im Augsut wäre das schon nicht mehr möglich gewesen. Zumindest nicht, mit einem lebendingen, gesunden, normalgedeihten Kind.

JETZT erst, wird es mir klar. Also so richtig klar. Logisch war es die ganze Zeit. Also seit April wäre es ja quasi knapp geworden. Trotzdem ist es jetzt erst in meinem Kopf angekommen. Es ist total strange. Schwer zu erklären.

Wie ich darauf komme? Was geschehen musste, damit mir das klar wird? Wann ich diesen berühmten AHA-Moment hatte?

Es kann nur an der Zeit liegen. Wahrscheinlich sind das alles Schritte, die ich durchlaufen musste. Schritte, die zur Verarbeitung des Traumas dazugehören.
Zeit….. Manchmal mein größter Feind, oft mein bester Freund. Zeit. Geduld. Nicht warten. nicht warten darauf, dass sich etwas tut, dass die zweite Linie zu sehen ist. Nicht warten darauf, dass ich mein Kind großziehen darf. Geduld. Es wird passieren.
Aber ich muss mir selbst die Zeit geben, mit diesem schlimmen Verlust fertig zu werden.

Vielleicht war es der Besuch bei der Gyn, der mit den letzten Schubs gegeben hat. Aber auch da habe ich ja weitere Tests schon abgeleht. Da war ja schon ein Prozess in Gange.

Ich würde so gerne erklären, wie erleichternd das Gefühl in mir jetzt ist. Wie sich alles zusammenfügt, wie alles so glasklar erscheint.

Mir wird auf ewig das eine Puzzleteil fehlen. Und zwar das, wie sich mein erstes Kind anfühlt, wie es riecht. Ich werde es nicht zurückholen können. Und das muss ich akzeptieren. In welchem Stadium ich hier bin, weiß ich nicht. Es ist auch eigentlich egal. Es geht mir besser. Sehr viel besser. Ich fühle mich leichter und unbeschwerter. Ganz ohne ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht jede Sekunde um mein Kind trauere.

Es tut so gut.

Natürlich vermisse ich mein Baby, stelle mir oft vor, wie es jetzt wohl wäre, wäre alles gut gegangen. Dann werde ich auch sentimental.

Aber ich kann es nicht mehr ändern. Leider. Und ich sehe ein, dass ich das loslassen muss, was ich nicht ändern kann. Let go of the things you cannot change.

An diesen Punkt zu kommen, hat gedauert. Und das ist ok. Trauer dauert. Es gibt keinen Zeitplan, wie sie verläuft. Mir ist einfach jetzt klar, dass ich mein erstes Kind verloren habe und es nicht wieder holen kann. Egal, was ich mache. Egal, wieviele Vitamine, wieviel Sport, wieviel Diät. Es geht nicht. Sie ist weg. Unwiederbringlich. Sie wird IMMER Teil meines Lebens bleiben, aber ich muss sie gehen lassen.

Und ich denke, es ist jetzt so weit. Ich lasse sie gehen. Ich KANN sie gehen lassen.

Ach ja, mein Blutdruck, der seit der Diagnose „Jelly-like Plazenta“ immer am oberen Rand gekratzt hat, war letzte Woch DAS ERSTE MAL wieder völlig normal. Bei 120 du 77. Verrückt.

Fast ein Jahr hat es gedauert. In dieser Woche jährt sich der Gyn-Termin, wo mein Kind bereits 2 Wochen zu klein ist. Wie verrückt. EIN JAHR!

Nach einem Jahr geht es mir endlich wieder richtig gut.

Das heißt nicht, dass ich jetzt wie benebelt super happy durch die Gegend schwebe.

Ich hatte schon wieder zwei Situationen, in denen mir aufgefallen ist, wie fragil alles ist. Wie „neu“ dieser Status der Akzeptanz ist.

Dazu dann das nächste Mal mehr.
Jetzt freue ich mich über den riesen Schritt, den ich machen durfte, über die Erkenntnis und den dadurch gewonnenen „Frieden“ in meinem Kopf.

Habt einen schönen Wochenstart. ❤

2 Kommentare zu „Das berühmte AHA-Erlebnis

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