Erstmal abwarten….

….wenn ich das noch einmal hören muss. Es macht mich so sauer.

Wer mich fragt, wie es mir geht, muss damit rechnen, dass ich es auch sage. Wer nur hören will, dass alles in Ordnung ist, sollte mich lieber nicht fragen, weil ich immer irgendwas finde, was nicht in Ordung ist. Wer sagt, dass das genau mein Problem ist, soll mich bitte auch nicht mehr fragen, wie es mir geht und die klugen Sprüche mir überlassen (hahaha, kleiner Spaß).

Wer mich trotzdem fragt, muss sich anhören, dass mein Zucker wieder absolut nicht in Ordnung ist, obwohl ich die Dosis Metformin auf 1500mg pro Tag angehoben hab. Wer mich trotzdem fragt, muss sich anhören, dass meine Periode diesmal anders war. Ewig lange, komische Schmerzen, so pieksig, stechend, einfach anders. Dass ich befürchte, dass es ein Myom ist, dass es aber auch sein kann, dass einfach mit meinem Darm was nicht stimmt. Wer es nicht mehr hören kann, dass ich meine Kondition, meine Situation, selbst analysiere, fragt mich besser nicht, wie es mir geht. Wer nicht hören will, dass ich irgenwie kein gutes Gefühl gerade habe, dass ich nicht glaube, dass die Klinik gerade der richtige Weg ist, wer darauf hin auf der Zunge hat „warte doch erstmal ab“, schluckt es bitte runter und sagt bitte lieber gar nix.

„Erstmal abwarten. Warte doch erstmal ab“, gehören zu den Floskeln, die einem metaphorisch den Kopf tätscheln sollen, die eigentlich bedeuten: „stell dich mal nicht so an. Mach dich mal nicht so verrückt. Entspann Dich doch mal“ oder sowas in der Art.

Guess what: Ich WEIß, dass ich abwarten muss. Auf alles muss ich warten. Und ich mag warten nicht. Deshalb bin ich auch immer überpünktlich. Ich warte und warte und warte und warte. Stetig. Mir zu sagen, dass ich das muss, ist also vergeudete Luft.

Wer nicht schlagfertig genug ist, um auf meine ehrlich Antwort auf die Frage „Wie geht’s“, zu reagieren, fragt besser nicht. „Ist bestimmt nix Schlimmes. Das ist bestimmt normal.“
Auch so Sätze, die abwiegeln, die zeigen, dass mein Leidensdruck, den ich GANZ WIRKLICH habe, nicht ernst genommen wird.
Dass ich mich nur verrückt mache. Völlig grundlos. Dabei könnte ich mich doch einfach auch mal entspannen. Ich kann ja schließlich eh nix dran ändern.

Hach schön, wenn man das einfach so sehen kann. Ganz bezabuernd. ICH, und ich rede echt von mir, ich kann es nicht.
Es ist nicht alles locker entspannt. Ich hab Angst, ich bin frustriert, ich bin sauer. Und sei Dir gewiss, ich kann meine Gedanken auch nur noch schwer ertragen und auch nicht mehr hören.
Die ganze Zeit hoffnungsvoll zu bleiben, die ganze Zeit einbilden, dass es bestimmt bald klappt, die ganze Zeit das Ziel vor Augen, aber keinen Schritt weiterkommen.
Das macht mich mürbe. Das macht mich sauer. Das macht mich kaputt.
Aber wie würden einige ignorante Leute jetzt sagen: „So kann das ja nix werden, mit der Einstellung.“
Ja genau…weil mit einer positiven Einstellung ja auch sofort alles gekl…hä? Warte mal. Ha! Nee, hat’s NICHT!
Aber lustig auch, dass sone Sätze von denen kommen, die sonst Homöopathie und die „Heilung mit Kraft der Gedanken“ für absoluten Hippie-Eso-Quatsch halten. DAS soll aber jetzt der Grund sein, dass ich nicht mehr schwanger werde? Hmm…interessant.

Zweifeln gehört dazu. Und gerade zweifle ich einfach. Ich kann nicht erklären warum. Einfach so ein Gefühl. Vielleicht hab ich einfach keine Energie mehr.

„Na was willst Du denn von Leuten hören?“

Noch so ne Frage, dich mich rasend macht. Ich WILL gar nix hören. Wer mir eine Frage stellt, der will doch was hören. Oder vielleicht doch nicht? Bitte einfach vorher überlegen.

Ich wünsche mir, dass die Frage nach dem „wie geht’s“ ernst gemeint ist. Dass meine Antwort erwartet wird, dass genug Zeit ist, um sich mit meiner Antwort auseinander zu setzen. Dass die geistige Kapazität gerade da ist, um meine Antwort zu verarbeiten und eben nicht mit Floskeln drauf zu reagieren. Und wenn weder Zeit noch Kapazität da ist, dann ist das auch nicht schlimm. Es dreht sich ja nicht alles um mich. Aber dann einfach bitte nicht fragen.

Aber naja, das Problem hab ICH ja. Ich muss mir einfach angewöhnen zu erwidern: „Alles gut, danke.“

Und nein, ich frage nicht „und dir?“. Es sei denn, es interessiert mich tatsächlich.

So, kotzen beendet. Ich bin einfach mies drauf heute.

Und es tut mir leid, wenn ich „so anstrengend“ bin. Bin ich für mich auch.

Danke für die Aufmerksamkeit.

3 Kommentare zu „Erstmal abwarten….

  1. Der Text könnte 1:1 von mir sein. Ich kann die Floskeln und Ratschläge auch nicht mehr hören. Wir sollten uns kennenlernen. Ich glaube Du bist eine der wenigen die dieses Leid verstehen kann.
    Fühl Dich ganz fest gedrückt und warte erstmal ab!!!
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    Hihi! Den konnte ich mir nicht verkneifen 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo liebe Juliena, ganz vielen Dank für Dein Feedback ❤
      Es ist wirklich so schwierig und auch, wenn ich sehr empathische Freunde hab, die alles versuchen, um "richtig" mit mir umzugehen, es bleibt unmöglich für jemanden, der das nicht erlebt hat. Zum Glück mussten es die meisten aus meinem Freundeskreis nicht erleben, aber es ist eben unmöglich, das in Worte zu fassen und zu erklären. Dass diese schlimmen Gefühle in Wellen kommen, dass es richtige Schübe gibt, wo alles über einem zusammenbricht, obwohl gerade noch alles in Ordnung war. Dass ich heute voller Hoffnung und Motivation sein kann und morgen an allem zweifle…wie will man das auch eklären.
      Ich schreib Dich heute mal an, deine E-Mail hab ich ja 🙂
      ich drücke Dich und schicke ganz viel Geduld…hahahaha

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  2. kurzer Nachtrag:
    mir ist klar, dass es niemand böse meint, der zu mir sagt, ich solle mich entspannen, müsse abwarte oder es sei sicher alles in Ordnung. Das ist mir klar.

    Ich hab aber gerade das Gefühl, dass ich nochmal betonen muss, dass dieser Blog mein Tagebuch ist. Und meine Tage sind nicht immer kämpferisch, hoffnungsvoll, positiv, lustig und motiviert. Es gibt eben auch solche Tage wie heute, wie die letzten, wo sich einfach nix gut anfühlt. Und trotzdem mach ich weiter, trotzdem gehe ich zu den Terminen, obwohl ich überlegt habe, alles abzusagen. Trotzdem arbeite ich, trotzdem esse ich, trotzdem mache ich meine Hunderunden, achte auf mich usw.
    Ich bin nur überhaupt nicht gespannt, was bei den Untersuchungen rauskommt. Überhaupt nicht. Ich hab Angst, dass sie sagen, dass ich nicht behandelt werde, solange mein Blutzucker so scheiße ist. Ich hab Angst, dass ich kurz vor den Wechseljahren stehe, so unwahrscheinlcih das auch sein mag. Ich hab Angst, dass das Spermiogramm total schlecht ist, was auch nciht unbedignt wahrscheinlcih ist.

    So geht es mir heute, morgen kann alles wieder anders sein. Ich gehe aber eher davon aus, dass sich nach Mittwoch, nach dem Ultraschall und dem Spermiogramm oder nach nächstem Montag, nach dem Planungsgespräch, meine Laune erst ändern wird. In welche Richtung, weiß ich nicht. Ich bin einfach bockig heute.

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