Keine Überraschungen

So, da ist es endlich soweit. Die Untersuchungen gehen los. Erstmal mit S zum Spermiogramm. Wir fahren gemeinsam hin, auch, wenn ich gar nicht mit rein darf.

Die Stimmung ist gut, trotz des miesen Wetters. Wir lachen viel, S macht Witze über seine kurz bevorstehende Romanze mit dem Becher. Er habe ihn schon vermisst. Haha. Ich finds immer noch krass, dass er da momentan so locker ist. Wie er mich ermutigt, obwohl ich gerade irgendwie keinen Sinn in der Kinderwunschbehandlung sehe, trotzdem die Untersuchungen und das Planungsgespräch zu machen, danach dann erst Entscheidungen zu treffen. Wahnsinn.

Wir sind da, er geht rein und ich warte draußen. Er schickt mir ein unfassbar lustiges Gif, wie er den Becher in der Hand hält, und einen romantischen Filter, inklusive Musik, drüber gelegt hat. Hahahahaha. Herrlich. Ich liebe es. Wie süß. Porno läuft in dem Raum auch schon, na dann kann’s ja losgehen. Am Ende sagt er mir, dass gar kein Ton bei dem Film war, er hat aber irgendwo einen Lautstärkeregler gefunden, aber statt Film-Audiospur läuft „nur“ Massive Attach – Teardrop. Ein tolles Lied. Auch zum Sex haben. Aber für eine Becher-Romanze? Ich weiß ja nicht. Er ist sich auch unsciher, wie gut er es tatsächlich fand. Haha. Es wird außerdem noch Blut abgenommen, hier muss er etwas warten. Alles in allem dauert der ganze Besuch ca. 30 Minuten. Total ok.

Danach wird die Stimmung dann aber schlechter. Er weiß nciht warum. Irgendwie findet er es jetzt doch komisch und hat da keinen Bock drauf und will das eigentlich echt überhaupt nicht machen.

Hmm. Ich verstehe das ja. Ich will das ja eigentlich auch nicht. Mir wäre es auch lieber, es würde einfach so klappen.

Ich denke, dass er irgendwie doch Angst hat, dass etwas nicht stimmt. Auch bei ihm. Aber er sagt es nicht. Weil die Bahn so voll ist und wir eh Masken aufhaben, reden wir auch erstmal nicht mehr so viel.


Naja, er erklärt mir am Nachmittag nochmal, wie blöd er das eigentlich alles findet. Keine Neuigkeiten. Ich fühl mich schlecht. „Ich geh da morgen einfach zum Ultraschall, dann sehen wir mal weiter. Die machen ja eh mit meinem Zucker erstmal nix, der ist ja zu hoch. Also vielleicht musst Du das auch gar nicht mehr machen oder so.“



Nächster Tag.

Ich geh zum Ultraschall. Alleine, S muss noch was arbeiten.
Finde die Ärztin immernoch so…jooooa. Ist nett, aber wir haben keine so gute Chemie.

Während ich mich untenrum frei mache, erläutert sie die Blutergebnisse von vor zwei Wochen kurz. „Was mir aufgefallen ist, ihr Vitamin D ist sehr niedrig. Bei 27. Da würde ich mitndestens 2000 IE pro Tag zusätzlich empfehlen, damit wir auf die 70 kommen.“
Ich bin überrascht. Ich bin jeden Tag mehrere Stunden draußen und rothaarig. Dachte immer, dass das alles für einen guten Vitamin D Haushalt spricht. Haha. Später lese ich, dass Diabetiker oft einen Vitamin D Mangel haben. Bums. Diese dämliche Krankheit. Macht alles kaputt. Nervt mich.

Aber das ist nicht alles, was ihr aufgefallen ist. „Wir haben ja auch Ihre Eizellenreseve, das AMH, getestet.“ In meinem Kopf ist die Antwort schon klar. „Der sollte idealerweise bei 1 sein. Bei Ihnen ist die Reserve schon etwas angeknabbert. Der Wert liegt nur bei 0,7.“
Ich nicke, denke aber innerlich an die ganzen Artikel, die ich über die vermeintliche Aussagekraft dieses Wertes gehört habe und bin deshalb nicht beunruhigt.
Ich bin außerdem schon 37, dass es bergab geht, ist ja klar.
Sie sagt weiter: „Ich hätte jetzt kein gutes Gefühl dabei Ihnen zu sagen, dass Sie einfach weiter probieren sollen, weil sie ja schließlich schonmal schwanger waren. Wir sollten hier wirklich was tun, nicht mehr allzu lange warten.“
Ich nicke und sage: „Na wie praktisch, dass ich hier bin.“
Wir beide lachen. Ich etwas gekünzelt, sie sicher auch.
Wir passen einfach irgenwie echt nicht zusammen.

Dann der Ultraschall, ich erzähle ich vom Zwicken und Ziepen und ach, vielleicht kommt der Eisprung auch schon früher lalalala.

Sie ist ähnlich wie die Ärztin in der ersten Klinik. Sie wirkt, als ob sie von mir gar nix hören will. „Also hier rechts ist gar nix. Da ist überhaupt nix von Eisprung zu sehen.“

Ok. Lag ich wohl falsch, mit meiner Emfpindung.
„Die Gebärtmutter sieht super aus. Ihr Darm liegt hier aber überall drüber, können Sie mal da drücken? Genau, danke. Alles gut. Kucken wir uns mal den linken Eierstock an.“

So. Trommelwirbel. Wer hat’s gesagt und wurde belächelt? Korrrrrekt. Icke. Wie bei der ersten Ärztin auch.

„Ja, hier ist ja schon alles bereit. Also wie weit sind Sie? Zyklustag 8? Das dauert auf keinen Fall mehr 6 Tage noch. Also das Ei ist quasi auf dem Sprung. Wir nehmen nochmal Blut ab, um es zu bestätigen.“ Juti, kein Problem
„Ach, was ich noch sagen wollte: das Spermiogramm sieht super aus.“

Oh schön, dann kann ich S das schonmal sagen. Da freut er sich sicher (hat er auch).

„Wir sehen uns ja dann bald wieder.“
Genau. Am Montag.

„Auf Wiedersehen.“

S und ich gehen nach einem kurzen Frühstück zusammen zur Hunderunde und quatschen. Er fragt mich, was ich denke, was auf uns zu kommt. Ich sage: „Naja, ich weiß es ja auch nicht. Aber ich denke nicht, dass sie uns ne IUI empfiehlt. Das ist ja eigentlich dann Quatsch. Wahrscheinlich wird sie härtere Geschütze auffahren.“ – „Und mit so Hormonen und so?“ – „Ich denke mal. Ich weiß es aber echt nicht. Vielleicht geht das auch alles ohne. Aber irgendwie glaub ich das nicht.“ -„Hmm. Das find ich nicht so gut. Ich hab Angst, weil Du so krass auf Hormone reagierst, dass dann irgendwas anderes noch schlimmer wird.“

Er ist niedlich. Er macht sich echt Sorgen. Er glaubt mittlerweile nämlich auch, dass mein Blutzucker von den Hormonen abhängt. Ich zeige ihm ja immer meine Werte und so.

„Ich weiß es wirklich nicht. Wir müssen schauen, was sie am Montag empfiehlt, dann steht ja noch mein Zuckerwert im Weg. Also vielleicht passiert erstmal wirklich gar nix.“

Wir sind beide irgendwie ernüchtert. „Du hast aber auch immer gesagt, dass Du Dich nicht mit Hormonen vollpumpen willst und deshalb die Pille nicht nimmst. Was ich ja gut finde. Aber das jetzt, das würdest Du machen?“

„Naja, es hat sich ja schon alles ganz schön verändert. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich nciht einfach Mama werden kann. Weißte. Und Verhütungsmittel versus Schwangerwerdenhilfsmittel ist ja doch schon auch n Unterschied. Ich hätte vor 2 Jahren wahrscheinlich auch noch groß getönt, dass ich mcih nicht so anstellen solle und den Druck rausnehmen müsse, dann würde ich schon schwanger werden. Heute will ich jedem der das sagt ins Gesicht spucken, weil es so unsensibel und realitätsfern ist.“

Er nickt nur und brummt leise.

„Aber ja, ich hab auch Angst. Deshalb müssen wir alles genau besprechen mit ihr.“

Und das werden wir dann am Montag wohl tun.

Bis dahin wird der verfrühte Eisprung noch so richtig genutzt. Hahaha.
„Hier jeblieben! Jetz wird jeschmust!“ Hahaha.

6 Kommentare zu „Keine Überraschungen

    1. Ja, hab ich tatsächlich schon überlegt….am 18.2. hab ich den nächsten Termin und werde danach entscheiden…eine Idee war noch, einfach in ne Uniklinik zu gehen, sofern das momentan möglich und sinnvoll ist. Da gibt’s vllt mehr Interesse an Diagnostik und sowas…bzw mehr Möglichkeiten. 🤗🍀❤️

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      1. Das ist eh so skurril und unemotional alles. Ich war mal in der Klinik und vor mir ein Typ „Guten Tag, ich möchte gern Sperma abgeben“ – „ah super. Haben sie es schon dabei oder müssen sie noch runter?“ – „ja, ich muss noch….“ – „okay, dann warten sie hier kurz“ Fühlte sich an wie ein Gespräch im Supermarkt 💘

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