Mmpf

Da ist sie dahin, die Entspannung, die gute Laune, das eigentlich wirklich okaye Wohlbefinden.

Jetzt ist es wieder nur noch grau.

Die Hints bezüglich der Kinderwunschbehandlung sind wohl angekommen.

„Sag mal, Du erwähnst die letzte Zeit wieder öfter das Thema Kinder, wenn wir über anstehende Ausgaben sprechen, wenn’s um Geld geht.“

Hmm. Ja. Das stimmt.

Ich erkläre also, dass es für mich leider doch noch nciht abgehakt ist. Dass meine Angst, dass es so doch nicht klappt doch wieder größer ist.

„Aber ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt, dass wir es jetzt einfach so probieren.“
Wie oft ich dieses Satz wohl schon gehört hab….ich weiß es nicht. Gefühlt eine Zillion Mal.
„Ich dachte, wir sind aus dem Gespräch mit dem gleichen Ergebnis raus, aber anscheinend ist das nicht so.“

S hat ja recht. Ich habe gesagt, dass ich irgendwie die IVF nicht für den richtigen Weg halte, nicht weiß, ob mir das nicht mental das Genick bricht. „Aber ich hab auch gesagt, dass das Empfinden eine Momentaufnahme ist. Dass es JETZT so ist und im nächsten Zyklus wieder anders sein kann. Und glaub mir, es tur mir wirklich leid, dass es jetzt wieder anders ist. Für mich ist das aber nicht so einfach, es „abzuhaken“, es so gut sein zu lassen.“

Ja….blöd….
Wir besprechen nochmal alles, was wir die letzten 100000 Male auch besprochen haben. Dass meine Uhr tickt, dass es vielleicht ja natürlich klappt, dass ich ja schwanger werde, dass es sein kann, die IVF klappt auch nciht, dass es sehr teuer ist, dass es auf natürlichem Weg doch schöner wäre, dass es für beide einfacher wäre, wenn der Wunsch gleich groß oder eben klein wäre, dass wir da einfach unterschiedlicher Auffassung sind……blablablablablaaaaaaaaaaaaaa.

„Weißte, Du sagst, es ist Dir mehr oder weniger egal, ob wir ein Kind bekommen oder nicht. Ok. Da muss ich sagen, die Einstellung ist total ok, wenn es denn einfach so klappt. Wenn es keine Komplkationen gibt. Dann kannst Du sagen ‚joa, ich war jetzt nicht sooo scharf drauf, aber jetzt isses da, ist doch cool.‘ Wir gehören aber leider zu den Paaren, wo es nicht so einfach klappt. Der Grund sei mal dahingestellt, der ist egal. Aber es geht nun mal nicht einfach so nur mit Bumsen, wie bei der ersten Schwangerschaft. Und glaub mir, ich finde das auch dramatisch.
Aber wir sind doch beide in der Familienplanung. Also WIR haben doch beschlossen, ein Kind zu bekommen. Es zu versuchen. WIR wollen doch eine Familie gründen. Unsere eigene. Mit H und Kind.
Dann müssen wir aber auch beide AKTIV da mit machen. Wie gesagt, nicht nur durch ungeschützten Sex. So einfach geht es halt bei uns nicht. Wenn WIR und ich meine wirklich WIR, eine Familie haben wollen, eine eigene, mit Kind, dann müssen WIR an einem Strang ziehen. WIR müssen in die gleiche Richtung laufen.
Es fühlt sich aber so an, als ob nur ich eine Familie mit Dir gründen will. Du hast eigentlich keinen Bock.“

„Ich sag ja nicht, dass ich gar kein Kind will. Ich finds ja nicht schlecht. Aber mein Wunsch ist einfach nicht so groß. Und ganz ehrlich, die ganze Corona-Situation trägt auch nicht dazu bei, dass ich mich drauf freue, wegen eines Kindes dann noch länger Zuhause rumsitzen zu müssen.“

Ich erinnere ihn, dass ich das Kind austragen und hoffentlich stillen muss. Dass er dann durchaus wieder „spielen gehen“ kann.

„Dass Corona und Lockdown Dir zu Schaffen macht, das verstehe ich. Das sehe ich auch und ich mache mir deshalb auch Sorgen. Deshalb überlege ich ja auch, in wie weit ich Dich jetzt mit meinem dämlichen Kinderwunsch noch belasten kann. Und ich fühle mich schlecht, jedes Mal, wenn ich es anspreche oder andeute. Aber meine Uhr tickt wirklich leider. Vor fast nem Jahr haben die in der ersten Kiwu-Klinik schon gesagt, ich sollte kein Jahr mehr warten. Auch im Fertility Center sagen sie, im Sommer sollte man nachhelfen, wenn es bis dahin nicht geklappt hat.“

„Aber es klappt doch! Es hält eben nicht, aber Du wirst doch schwanger.“

Ja naja…das reicht wohl offensichtlich nicht.
Ich muss so tief ein und ausatmen, weil ich innerlich schon wieder koche. Gleichzeitig will ich einfühlsam, verständnisvoll und fair ihm gegenüber bleiben.
Der Lockdown ist für ihn wirklich sehr sehr sehr sehr schwer. Es setzt ihm total zu. Er erklärt es mir mit Tränen in den Augen auch noch nachdrücklich.
Und wirklich, ich verstehe das. Selbst mir, die gerne Zuhause ist, geht es langsam an die Nieren. Weil auch nix Sinn macht, weil kein Ende in Sicht ist, weil gefühlt ohne Logik an diese ganze Krise rangegangen wird.

„Vielleicht können mir die Ärzte dann wenigstens bei der Einnistung helfen, ich hab doch keine Ahnung, aber ich kann nciht einfach zu sehen, wie Monat für Monat vorbei geht und ich immer älter werde und immer unfruchtbarer. Und wenn WIR eine Familie gründen möchten, dann müssen WIR auch was dafür tun. In unserem Fall scheinbar mehr, als nur Sex haben. Wir reden auch nie über eine Zukunft mit Kind. Ich stelle sie mir den ganzen Tag vor, aber weiß gar nicht, ob Du da Bock drauf hast. Und glaub mir, wenn Du keinen hast, ich Dir das nur aufbürde, Du nur mitmachst, weil Du mit mir zusammen sein willst, dann wird uns das irgendwann auf die Füße fallen. Es wird irgendwann aus Dir rausbrechen. Mir gegenüber oder dem Kind gegenüber. Und ich hab überhaupt keine Lust darauf, dass unser Kind sich Zuhause nicht wohlfühlt, weil der Vater kaum oder kein Interesse dran hat. Es muss ja nicht so werden, aber wenn ich Dir was aufzwinge, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du unglücklich wirst, doch erhöht.
Schätze ich zumindest, ich weiß es natürlich nicht genau.
Genauso denke ich, dass ich unglücklich werde, wenn ich nur wegen Dir kein Kind bekomme. Ich weiß, dass ich Mutter werden und sein will. Das weiß ich einfach. Ich will auch, dass Du Vater meines Kindes bist. Ich will aber auch, dass Du das auch willst.“

Er erkärt mir noch, wie schrecklich er es findet, in einen Becher „wichsen“ zu müssen, dass er das einfach nie wieder machen will.
Ich sage ihm, dass ich natürlich nicht weiß, wie schlimm sich das anfühlt, mir aber schon irgendwie vorstelle, dass es sehr unangenehm ist, aber
„wenn das schon so schlimm für Dich ist. Wenn das schon etwas ist, was Du kaum aushältst, für unsere Familie zu tun, wie soll es denn dann weitergehen? Wenn wir ein Kind haben, dann wirst Du noch ganz andere Sachen machen müssen oder eben nicht. Du musst dann erstmal zurückstecken. Und Du musst Dir wirklich überlegen, ob Du das willst. Weißte, ich denke auch über Adoption nach, manchmal denke ich sogar, dass das vielleicht für uns besser wäre, damit wir nicht durch eine Schwangerschaft „durch“ müssen. Weil ich natürlich panische Angst hab, dass es wieder schief geht. 1000 %ig. Aber am Ende bin ich auch bereit, das Risiko einzugehen, weil es mein größter Wunsch ist, Mama zu sein. Aber damit brauche ich Dir gar nicht kommen. Du leidest so, sobald das Thema Familiengründung ansteht…. DU musst wissen, was Du willst. Genauso wie ich das wissen muss. Und ja, wenn Du Dich gegen eine Familie mit Kind entscheidest, muss auch ich schauen, ob ich mit Dir zusammenbleibe oder meinem Wunsch nach einem Kind nachgehe. Das ist so. Und DU musst das auch.“

Ja naja…so geht es eben weiter. Er nickt irgendwann nur noch und ich ärgere mich, dass ich soviele Suggestivfragen und -sätze eingebaut habe, dass ich ihn eben doch dazu zwinge, sich zu entscheiden, dass ich es nicht „einfach gut sein“ lassen kann.
Aber ich bin eben keine 23. Ich werde 38. Ich werde auch in diesem Jahr wahrscheinlich kein Kind bekommen, sollte ich jetzt schwanger werden, wäre der ET Anfang Januar 2022. Vielleicht klappt es ja auch. Vielleicht werde ich diesen Zyklus schwanger und es läuft alles super easy. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht müssen wir die „extra mile“ gehen. Aber das müssen wir eben zusammen machen. Ich kann das nicht alleine, es sei denn, ich bin alleine.

Kinderwunsch, und damit meine ich wirklich die Zeit, wenn es nicht auf anhieb klappt, wenn einige Monate vergehen, ohne dass der Test positiv wird, ist per se schon belastend. Es ist wirklich schwer. Für die, die es nicht erleben auch wirklich schwer zu verstehen. Aber wenn beide dann nicht mal am gleichen Strang ziehen, dann ist es kaum aushaltbar.

Jetzt sitze ich also wieder hier und weine. Weil ich nicht weiß, was ich machen soll.
Tief im Inneren, mein bockiges Ich, will einfach gehen, einen Spender suchen, die IVF machen und Solomama werden. Aber ich liebe S wirklich. Er ist einfach so toll. Und ich will ja auch mit ihm eine Familie gründen. Auch, wenn ich vor seiner dabei Angst habe. Aber ich, WIR, würden das hinbekommen, wenn WIR zusammen daran arbeiten.

Mal sehen, was der Tag heute bringt. Und die nächsten. Und überhaupt.

8 Kommentare zu „Mmpf

  1. Vielleicht müsst Ihr beide einen Kompromiss eingehen: Du darauf vertrauen dass es bis zum Sommer klappt – und wenn nicht, versucht ihr die IVF. Dann gibst Du der Natur und ihm noch ne Chance und er der IVF, wenn der Weg nicht klappt.
    Er hat ja recht: Du wirst schwanger. Und mit dem richtigen Timing wirst Du das sicher auch nochmal. Nur muss man Geduld aufbringen und das ist schwer. Ich weiß ja wovon ich rede.

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    1. Danke für dein Feedback 🙏❤️
      Naja, mit Sommer war Juni gemeint, weil die Ärztin im Juli im Urlaub ist. Jetzt ist gerade ZT 5 vom April. Also könnte ich jetzt anfangen, Termine zur Besprechung, Untersuchungen und Beratung und so zu machen. Dann wäre vllt Mai. Dann könnten wir, wie eigentlich beschlossen, im Juni starten. Er will aber nicht mehr.
      Und ich finde, ich gehe schon einige Kompromisse ein. Er „darf“ alles wie sonst auch. Ich diktiere ihm keine Diät, keine Abstinenz bei Nikotin und Alkohol, keine Sportsessions.
      Nix.
      Er muss quasi nix machen, außer die Becher befüllen…also aktiv.
      Passiv ist mir klar, dass es für ihn schwer ist mit meinem großen Wunsch.

      Aber eigentlich geht es tatsächlich darum, dass wir es machen wie besprochen, nur, dass ich nach dem letzten frühen Abgang blöderweise laut geäußert hab, dass ich nicht weiß, ob meine Nerven das alles noch aushalten.

      Ich empfinde mich als sehr geduldig, für meine Verhältnisse. Und das ist auch ok, ich bin eben nicht alleine.
      Aber wir müssen halt zusammen an dem Projekt arbeiten, sonst geht’s nicht.
      Und das mach mich fertig.

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      1. Okay, verstehe dass Du dann jetzt schon die ersten Termine machen willst, ist nachvollziehbar. Würde es ihm denn helfen „den Becher“ zu Hause zu befüllen? Wäre vielleicht einfacher?
        Kann er sich denn ein Leben ohne Kinder oder ohne Dich vorstellen?

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      2. Er hat Mal gesagt, es ist ihm egal, wo er das macht. Ich könnte ihn aber nochmal fragen. Das Problem ist, dass die Klinik eine Stunde weit entfernt ist, ob das dann geht?

        Er kann sich ein Leben ohne Kinder vorstellen, bzw er stellt es sich ja gar nicht vor….was er weiß: er will auf jeden Fall mit mir zusammen bleiben…

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      3. Oh man das ist wirklich schwierig alles und belastet ja noch einmal zusätzlich zum Thema Kinderwunsch. Irgendwie müssen da ja doch beide mitziehen auch wenn die Frau deutlich mehr am Hals hat. Finde die Idee mit der Therapie daher nicht so schlecht.

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  2. https://einstrichphobie.wordpress.com/2016/04/19/unerfuellter-kinderwunsch-und-beziehungsglueck/

    Es tut mir wirklich Leid, dass ihr irgendwie in dieser Phase feststeckt! Tatsächlich
    empfand ich das Belastende, dass man als Frau, wenn der Partner nicht mitzieht, irgendwann denkt : ok, das läuft auf Trennung raus… entweder weil ich ihn wegen des Kinderwunsches zu sehr nerve und wir nur noch streiten oder weil, ich vorerst mein Bedürfnis Mutter zu werden hinten an stelle und ihm das dann insgeheim immer vorhalte, was letztlich auch der Beziehung schadet.

    Ich kenne im Vergleich zu anderen viele Paare, die diesen Weg gegangen sind und tatsächlich bisher nur eine Ausnahme, wo sie ihren Wunsch wirklich loslassen konnte…der Rest ist getrennt. Entweder noch vor einer Behandlung oder nach erfolglosen Behandlungen, die sie mehr oder minder allein durchziehen musste. Diesen Weg kann man – genauso wie die Elternschaft selbst- ur zusammen gehen!

    Wir hatten vor unseren Behandlungen ein halbes Jahr eine Paartherapie und sind beide der festen Überzeugung, dass wir uns ohne diese getrennt hätten.
    Sucht euch am besten Hilfe…

    Ich weiß, das sind harte Aussichten, aber das ist leider die Realität. Der unerfüllte Kinderwunsch ist hart. Ich drücke euch sehr die Daumen!!!

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    1. Lieben Dank für deine Ehrlichkeit 🙏♥️
      Ich habe gestern genau das vorgeschlagen, eine Paartherapie…er hat die Augen aufgerissen und so gekuckt, als hätte ich ihm gerade wer weiß was enthüllt hätte…. Es ist so frustrierend….aber ich fürchte auch, dass vor allem leider ich mich entscheiden muss…

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