Diese Schlangen

Bei S und mir ist alles wieder gut. Es ist nicht perfekt. Nicht unbeschwert. Aber es ist gut. Wir versuchen es beide wirklich. Wir wollen zusammen bleiben, wir lieben uns und wir bekommen ein Baby. Ganz bestimmt.
Er hört sich jetzt meine Testergebnisse an und versucht freudig zu kucken. Ich weiß, es fällt ihm schwer. Aber er versucht es wenigstens und das find ich toll. Er geht mit der ganzen Sache anders um, das ist auch ok. Wir sollten aber, wenn vielleicht auch auf verschiedenen Vehikeln unterwegs, zumindest auf der gleichen Straße sein.


Ich teste logischerweise weiter und muss sagen, ich bin jeden Morgen nervös.

Ich teile mal meine Testungen mit Euch 🙂

Mit jedem Tag freue ich mich mehr. Bin mehr und mehr begeistert.
Wie krass. Wie dieser Presense immer deutlicher wird. Ich fasse es nicht.

Bei ES+15 mach ich dann meinen Entgegnertest.
Den CB mit Wochenbestimmung.
„Bitte, bitte, bitte zeig 2-3 an. Bitte, bitte, bitte.“

Meine Nerven liegen blank. Ich mache den Test. Zyklustag 28, ca. 15 Tage nach Eisprung. 2019 war er am gleichen Zyklustag bei 2-3. Die letzten beiden Male hat er bis zuletzt nur 1-2 maximal angezeigt.

Puh. Ok. Los geht’s.

Es dauert eine gute Minute, bis das „+“ erscheint. Ok. Auch hier bin ich schwanger. Das ist schonmal gut.
Dann muss ich noch weitere 2 Minuten warten. Ich halte die Hand vor mein Handy, ich filme das ganze Schauspiel nämlich für meine InstagramGefolgschaft.

Mir ist schlecht. Ich zitter. So richtig. „Bitte bitte bitte bitte bitteeee“.

Dann die Erlösung

ES+15 CB mit Wochenbestimmung

YES! YES! YES! YES!

Ich fass es nicht. Oh Gott! Jetzt hab ich schon zwei meiner ganz persönlichen Meilensteine erreicht. Versuch Nummer vier sieht vielversprechend aus!

Meine Meilensteine

Wie krass. Ok. Jetzt kann ich aufhören zu testen. Das war meine Marke. Bis hier hin will ich mit den Tests kommen. Dann ist alles gut. DANKE!

Die Gyn hab ich gestern schon angerufen und einen Termin gemacht.
„Sie wollen doch sicher schnell wissen, ob alles ok ist, oder?“
JAAAAA, BITTEEE!

Also hab ich am 06.05.21 um 17:15 meinen ersten Termin. Sie sagt, vielleicht könne man schon den Dottersack sehen.

Ich muss sagen, an sich geht es mir sehr gut. Es fühlt sich alles anders an. Beim letzten Mal im Februar dachte ich schon, es geht alles gut, aber im Gegensatz zu jetzt merke ich, dass ich da einfach drauf gehofft habe, dass ich zu denen gehöre, bei denen es trotz schwachen Strichen, trotz CB Ansage „1-2“ noch gut geht. Dass ich meinen Eisprung ganz falsch eingeschätzt habe. Dass ich es mir nur doll genug wünschen muss, dann geht es gut!

Jetzt ist es anders. Es sieht einfach sehr vielsversprechend aus. Wieso sollte es auch nicht klappen? Ich bin doch auch nur ein Mensch. Bei anderen Menschen klappt es doch auch. Und es gibt keinen Befund, der dagegen spricht, dass es einfach klappt.

Ich habe mir fest vorgenommen, ganz naiv in diese Schwangerschaft zu starten. Als hätte ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Als sei dies die erste Schwangerschaft, ganz unverhofft.
So WILL ich mich fühlen.
Ich WILL mich freuen, will aufgeregt sein, will das Kinderzimmer im Kopf schon planen, will mir mich mit dickem Kugelbauch unterm Weihnachtsbaum vorstellen.
Ich WILL das und ich MACHE das! Das steht mir zu!
Und dabei geht es nicht darum, dass ich meine erste Schwangerschaft mit unserer Motte verdrängen will. Ich will einfach dem kleinen Knödel, der sich jetzt zu mir, zu uns, getraut hat, eine faire Chance geben.

Ach ja. Stimmt ja. Was lustig ist: wenn es diesmal gut geht…..HALT STOP! Rewiiind selektah! SO nicht!

Nochmal.

Ach ja. Stimmt. Was lustig ist: Ich werde doch wahrscheinlich wirklich noch mit 37 Mama.
Mein 38. Geburtstag ist am 11.01.22. Der errechnete Entbindungstermin ist der 06.01.22. Das find ich schön. Aber wenn der Kloß nach dem 11.01. zur Welt kommt, ist das auch total ok. Haha.

Natürlich kommt mir sofort in den Sinn, dass es quasi genau zwei Jahre nach dem errechneten Termin für unsere kleine Motte ist. Das war ja der 16.02.20. So krass. Wie sie eigentlich jetzt schon über ein Jahr alt wäre. Abgefahren.

Ja. So ist es jetzt. Ich bin schwanger. So richtig. Ich schätze mich glücklich und habe generell das Gefühl, dass es gut geht, dass ich im Januar Mama werde.

Ich muss sagen, die viele Arbeit lenkt mich am Tag super ab. Ich komme kaum dazu, mir Sorgen zu machen und wieder in das Angstkorsett zurückzufallen. Ich hab einfach zu tun und bin dabei auch noch schwanger.

Das war die letzten beiden Male auch anders. Sogar beim allerersten Mal. Ich hab mich immer erstmal krankschreiben lassen. Weil ich einfach so viel Angst hatte, auch beim ersten Mal, irgendetwas falsch zu machen. Hatte direkt gedacht: ok, du musst dich jetzt richtig schonen!

Beim ersten Mal, 2019, war es, weil mein Diabetes ganz neu war, weil ich wirklich auch mit Stimmungsschwankungen dolle zu tun hatte und einfach etwas überfordert war. Damals hatte ich auch die Diagnose „Fettleber“ bekommen, meine Leberwerte waren nicht in Ordnung und ich war einfach echt völlig verängstigt, was ich jetzt wie wo mit welchem Wehwehchen mache.
Trotzdem ist es ja erstmal 5 Monate gut gegangen.

Diesmal ist es anders. Meine Leberwerte sind top, ich wurde auf alles untersucht, meine Blutwerte sind grandios, sogar mein Langzeitwert ist wieder schön. Außerdem spritze ich schon Insulin, wenn auch nur Basal, konnte mich also damit schon anfreunden und eine gewisse Routine bekokmmen. Jetzt fehlt nur noch das schnellwirksame Insulin. Ich denke, das werde ich heute bekommen. Gleich hab ich den nächsten Termin bei meiner Diabetologin, hab noch den anderen in petto, falls sie wieder rumzickt, bzw. mich nicht richtig „sieht“.
Sollte sie aber gut drauf sein, werde ich während der Schwangerschaft bei ihr bleiben. Meine Gyn ist großer Fan von ihr und sagt, sie habe eine sehr gute Zusammenarbeit auch bei anderen schwangeren Patientinnen mit ihr. Und weil ich meine Gyn so mag, verlasse ich mcih auf ihr Urteil. Ich hatte ja auch keine Probleme mit meiner Diabetologin während der Scwhangerschaft. Da fand ich sie auch toll. Nur danach eben nicht.
So…last chance to dance, doctoress.

Jetzt mache ich meinen Sport weiter, gehe weiter arbeiten, auch wenn ich echt mal ne Pause brauchen könnte. Ich bin ganz schön erschöpft.
Aber ich brauchen die Arbeit gerade.
Ich merke, nach Feierabend werde ich nervöser. Habe Angst, wenn meine Brüste nicht mehr so richtig weh tun, dass etwas nciht stimmt. Hab das Gefühl, dass ich mich nicht mehr so schwanger fühle. Kucke mir alle Tests nochmal an.

DOCH! ICH BIN SCHWANGER!

Aber abends kommen sie. Da kriecht die Angst, krabbeln die Traumata an mir hoch und versuchen sich an mein Hirn zu docken.

Warte erstmal ab. Es kann noch alles schief gehen. Kuck mal, wieviele Fehlgeburten andere haben,warum sollte es bei Dir anders sein? Bevor das Kind nicht auf der Welt ist, kann noch alles schief gehen. Du solltest nicht so naiv sein, Du weißt doch, was alles passieren kann. Und Du bist ja nicht mal über die kritische Zeit hinaus. Also da kann ja jetzt besonders viel schief gehen noch. Und Du naives Ding hast es schon rumerzählt. Wie dumm. So dumm.“

Solche Sachen. Diese miesen Schlangen.

Aber ich scheuche sie weg. Auch bei mir darf es gut gehen. Auch bei mir darf es einfach vom positiven Test bis zum lebendigen Kind gehen. Auch bei mir darf die Schwangerschaft 9-10 Monate dauern. Auch bei mir.

Es ist schwer. Ohne Frage. Es ist sehr ansrengend. Ohne Frage.

Eine Woche muss ich noch bis zum Gyn Termin warten. Und das ist wieder nur ein Schritt. Das Herz wird man wahrscheinlich noch nicht sehen, ich bin ja dann erst bei 5+1 . Viel zu früh für ein Herzschlag. Da muss ich also noch mindestens eine, eher zwei weitere Wochen warten. Aber Blut können sie abnehmen. Mir meinen HCG-Wert sagen. Der muss ja vierstellig sein bis dahin. Oah diese Warterei!
Aber das schaff ich. Step by step. Uuuh Baby. Gonna get to you, yeeeeah….really want you in my wooooooorld (ich weiß ja nicht, ob es ein girl wird, deswegen muss ich die Lyrics mal schnell ändern).

Ich hoffe weiter, ich male mir weiter aus, dass alles gut geht. Ich lache weiter (ich gebe zu, ein wenig weine ich auch ziwschendurch vor Angst), ich freue mich weiter, ich schwangere weiter rum!

Ach ja. Und ich teste doch weiter… logisch…… Das ist das einzige, was ich der Schlangengang Angst und Traumata zugestehe. Das ist deren Schutzgeld. Dann lassen sie mich weitestgehend in Ruhe für den Tag…bis dann der Abend kommt…..

3 Kommentare zu „Diese Schlangen

  1. Ich kann alle Gedanken so krass nachvollziehen. Diese Ängste sind furchtbar. Die Meilensteine sind schon mal gut und werden helfen immer besser damit umzugehen. Hast Du schon über eine Hebamme nachgedacht? Man muss sich ja früh kümmern und vielleicht kann sie auch Tipps geben, wie man mit Ängsten umgehen kann. Und auch im Falle wenn – auch wenn der nicht eintritt!!!! – sie kann auch bei einer Fehlgeburt eine Hilfe sein.

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