Naivety is bliss

So. Es geht weiter.

Es geht weiter und es geht mir weiter gut.

Kurzzeitig hatte ich einen kleinen Anflug von Panik, weil ich dachte, die Schwangerschaftstests werden wieder schwächer, meine Brüste wieder kleiner.

Aber ich kann Euch sagen: NOPE!

Meine Brüste haben anscheinend einfach n bissi Anlauf genommen, sie werden täglich praller und fester. Wahnsinn.

Und was die Tests angeht…… sie explodieren fast!

Ich zeige Euch hier mal wieder meine Testreihen, mich interessiert sowas immer brennend, vielleicht Euch auch:

Als der CB mit Wochenbestimmung bei 5+0, am Tag meines ersten Gyn-Termins, 3+ anzeigt, fall ich fast um vor Freude.

Dann ist es endlich so weit. Der Gyn Termin.

S kommt mit, wartet natürlich draußen. Später erklärt er mir, warum er unbedingt mitkommen wollte, obwohl er so lange warte musste. Dazu gleich mehr.

Ich gehe also zur Gyn und sitze da bestimmt ne dreiviertel Stunde. Locker. Auf dem Weg dahin und während des Wartens, werd ich dann doch ganz schön nervös. Puuuuh. Was ist, wenn jetzt nix zu sehen ist? Was ist, wenn es nur eine Zyste, kein Baby ist? (ich hab irgendwo mal gelesen, dass bösartige Zysten einen positiven SST verursachen können, will mich damit aber jetzt erstmal nicht weiter beschäftigen. Wer was weiß, gerne kommentieren 🙂 ) Was, wenn es eine Eileiterschwangerschaft ist? Aber dafür hab ich glaub ich nicht genügend Schmerzen, Fieber auch nicht. Boooah. Maaaann.
Das Warten fühlt sich unendlich lang an. Dann endlich! Ich bin dran.
Die Gyn ist gut gelaunt und freundlich wie immer, sie gibt mir das Gefühl, als würde sie richtig mit mir mit fiebern. Noch bevor ich mich an ihren Tisch setzen kann, sagt sie: „Wollen wir direkt mal kucken? Na dann los.“

Jaaaaaa! Bitteeee!

Sie ist einfach so nett.

Ok, los geht’s. Es dauert keine zwei Sekunden, nachdem sie den Ultraschallstab eingeführt hat, da sagt sie freudig: „Da! Schauen Sie mal. Sieht super aus. Ganz eindeutig eine Fruchthöhle mit Dottersack. Toll. Genau richtig für fünf Wochen. Mal sehen, 3,5mm, jetzt ist ja alles noch sehr klein. Das passt. Wir schauen nochmal kurz die Eierstöcke nach. Rechts…..super, alles gut. Links…na der versteckt sich ein bißchen….aber sieht so weit gut aus.“

Dann sind wir auch schon fertig mit dem Ultraschall. Während ich mich wieder anziehe, bestärkt sie nochmal ihre Aussagen: es sähe alles super aus, genau so wie es sein soll. Toll. Dass man das Herz noch nicht sieht sei klar, es sei dafür zu früh.

Ich setze mich angezogen grinsend an ihren Tisch. „Oh ich freu mich so, vielen Dank.“
„Na aber das hab ich doch nicht gemacht. Das waren Sie doch ganz alleine. Naja, fast alleine.“ Sie lacht.

Jaaaaaaa! Es hat einfach so geklappt. Ohne Hilfe. Das ist so krass. Genau so, wie ich es im Gefühl hatte, als ich das letzte Mal aus der Kiwu-Klinik gekommen bin. „Irgendwie hab ich so ne ganz komische Sicherheit, dass es auch so geht. Dass wir keine Hilfe von Außen brauchen.“ und BUMS, ich hatte recht.

Wir besprechen ein paar Sachen, unter anderem, wie lange ich noch Progesteron nehmen soll. „Naja, die Frage ist, ob sie es überhaupt brauchen. Sie sind ja auf natürlichem Weg schwanger geworden. Aber Sie wollen ja auch alles dafür tun, dass es gut geht. Dann würde ich sagen, dass Sie es bis zur 12. Woche weiter nehmen. 200mg am Tag. Da machen Sie nix falsch.“

Ok. Das wird S nicht gefallen. Warum nicht? Weil ich es vaginal nehme und wir deshalb keinen Sex haben können. Es ist einfach wie… „Pudding“. Und es ist unangenehm für ihn und komisch für mich. Das ist schon blöd. Aber eine Alternative scheint es nicht zu geben, da es so am Besten wirkt.

Sie fragt mich noch, ob sie mir überhaupt die ganzen Infoblätter über Ernährung und sowas in der Schwangerschaft geben soll, ich würde ja sicher schon alles wissen. Ich sage ihr: „Ich nehme alles mit. Alles. Alle Untersuchungen die Sinn machen, alle Infoblätter, alles.“

Sie grinst und nickt. Ich erkläre ihr, dass ich versuche so naiv wie möglich an die Schwangerschaft ran zu gehen. Dass ich die Zeit genießen will, die Freude über diese Schwangerschaft und meinen Körper, vor allem nach all der schweren Zeit, erleben will. Sie sagt, dass das eine super Einstellung sei und sie sich wünscht, dass es genau so wird.

Mir ist natürlich klar, dass es noch schief gehen kann. Die ganz kritische Zeit ist noch nicht vorbei. Und nach den ganz kritischen ersten 12 Wochen bleiben noch kritische weitere 28.
Aber ich will die Zeit nicht mit Sorge und Angst füllen.
Ich bin so froh, dass mein Körper uns nochmal die Chance gibt, ein Baby zu bekommen. Ich bin so unendlich froh, dass ich gesund bin. Ich bin so unfassbar froh, dass S und ich es bis hier in gemeinsam geschafft haben.
Und SOLLTE doch wieder irgendetwas passieren, dann werde ich es nicht stoppen können, nur weil ich mir Sorgen mache. Nur weil ich alle Szenarien im Kopf durchgehe. Nein. SOLLTE es nochmal schief gehen, sollte diesmal auch kein lebendiges Kind am Ende stehen, das ich mit nachhause nehmen darf, dann will ich die Zeit, die ich mit dem kleinen Knödel habe, wenigstens genießen und mit Liebe und Hoffnung erleben.

Diesmal geht alles gut. Ich glaube fest dran. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich das mit der „Naivität“ so gut hinbekomme. Aber es geht. Bisher zumindest. Vielleicht liegt es am Progesteron, das hebt ja bekanntlich die Stimmung.

Ich mache noch einen neuen Termin, nach dem mir Blut abgenommen wird. Leider ist der nächste erst am 25.05.21. noch 18 Tage. SOOOOO LANGEEEE!
Da bin ich dann schon bei 7+5. Garantiert wird man dann den Herzschlag sehen. Und ich freue mich so mega darauf.

Vor der Praxis wartet S auf mich. Er erzählt mir erst noch, wie sehr er von einem Kumpel genervt ist und erklärt mir auch prompt warum. Dieser will sich jetzt als Wahlhelfer registrieren, um früher gegen Corona geimpft zu werden. „Wetten, der hat wieder nur die 2 Ärzte in seinem direkten Umfeld angerufen? Ich vesteh das nicht.
Die Priorisierung ist doch quasi aufgehoben. Die müssen jetzt halt n bissi rumtelefonieren, aber es werden doch jetzt alle geimpft.“

Er hat recht. Nach und nach werden alle im Freundeskreis geimpft. Die meisten in ihrer eigenen Hausarztpraxis, andere müssen ein wenig Telefondienst machen, bevor sie ran kommen. Aber es geht bei vielen echt schnell. Mit und ohne Vorerkrankung.

Naja, nachdem er mir die Story erzählt hat, will er dann wissen, wie der Termin so wahr.

Ich zeige ihm die zwei Daumen nach oben: „allet chici, allet schön! Die Ärztin ist zufrieden, es ist alles so, wie es zu diesem Zeitpunkt sein soll. Ich freu mich so.“

Er nickt: „Na das ist doch schön.“

„Freust Du Dich auch ein bißchen?“

„Ja na klar.“

Hmm. Ok. Er wurde die letzten Tage schon etwas freudiger, als er die immer stärker werdenden Tests gesehen hat. Oder sagen wir, etwas entspannter, wirklich fröhlich wirkt er nicht.

Er sagt, dass es echt lange gedauert hat. Ich sage, ich hätte ihm ja gesagt, er könne auch schonmal nachhause fahren, dass es total ok sei, wenn er nicht weiter warten würde. „Naja jetzt stell Dir mal vor, es wäre nicht alles super. Dann wärst Du sicher schon glücklich, wenn ich hier wäre, oder?“

„Ja klar. Das ist lieb. Danke bébé.“

Ja, irgendwie…er wirkt nicht so richtig froh. Dann komm ich noch mit einer doch recht blöden Info:

„Naja, eine Sache ist da noch. Das Progesteron…..bis zur 12. Woche.“

Hätte er keine Maske auf, wir sind mittlerweile in der U-Bahn, hätte ich wahrscheinlich seine Kinnlade runterklappen sehen.
„Oh mann ey. Ich muss zugeben, dass ist schon n ganz schöner Bummer.“ – „Jaaa…tut mir leid. Aber sie sagt, dass das eben schon beim Halten der Schwangerschaft unterstützt. Aber in die Wanne kann ich wieder! Und alles andere geht ja auch. “ Ich zwinker extra übertrieben mit meinem rechten Auge.

Er wirkt wenig besänftigt. Er ist richtig down.

Und sofort krabbelt wieder das Schuldgefühl in mir hoch. Wahnsinn….ich versaue ihm so richtig sein Leben. Für ihn ist die Zeit, in der „wir schwanger sind“ einfach richtig beschissen. Jetzt können wir nicht mal bumsen.
Tatsächlich überkommt mich auch der Gedanke: „ich hoffe, wir stehen DAS jetzt auch noch durch…“

Er sagt noch, dass wir da ja jetzt auch nichts riskieren sollten. Wenn es am Ende schief gehen würde, weil ich das Progsesteron nicht nehme, nee, das sei ja Quatsch. Jut. Recht hat er.

Wir werden sehen. Faszinierend, welch eine emotionale Achterbahn…schade schade schade.

Er ist den Rest des Abends relativ ruhig. Nicht so gut drauf. Wir kucken noch einen Film. Ich geh ins Bett, er hört sich die neu gekauften Platten für 4 Euro an. Joa.

Es wirkt, als wolle er sagen, dass er sein Leben gerade hasst. Alles daran.
Ich hoffe so sehr, dass die Gastro und das Kulturleben bald wieder „offen“ haben. Das ist echt kein Zustand.
Wir können gerade nur Filme kucken und spazieren gehen. Sonst nix. Zusätzlich ist das Wetter auch noch viel beschissener als sonst um die Zeit.
Und ich kann nicht mal mit ihm schlafen… noch weitere 7 Wochen nicht.

Das tut mir leid und auch weh. Ich fühl mich schuldig.

Und dann denk ich wieder an diese kleine 3,5 mm Blase in meinem Bauch, die da wächst und wächst und sich teilt und formt und entwickelt und mir wird warm ums Herz.

„Es wird eine schöne Zeit. Ich bin richtig schwanger. So richtig. Es ist alles gut. Es ist nix schlimm. Ich werde eine tolle Schwangerschaft haben.“

Wie geplant, hab ich mir bei gutem Ausgang dieses Termins eine schöne Mutterpasshülle bestellt. So richtig mit Reißverschluss und vielen Fächern. Da kann dann alles rein, was ich so von Untersuchungen an Befunden bekomme und später von der Diabetologin die Infos usw usf. So richtig schön. Ich hab die genommen, die S gut gefallen hat, obwohl ich eine andere schöner fand. Aber ich dachte, den Gefallen kann ich ihm wohl tun. Komischer Gefallen. Aber es ist wie es ist und ich freu mcih drauf, wenn sie ankommt und ich bald, hoffentlich schon beim nächsten Gyn-Besuch, meinen Mutterpass bekomme und einpacken kann.

4 Kommentare zu „Naivety is bliss

  1. Diese Zeit ist so besonders und Du bist sooo stark. Trotzdem wünschte ich S. würde Dich ein wenig mehr unterstützen, denn nach einer Fehlgeburt ist eine erneute Schwangerschaft alles andere als einfach auch wenn Du mir sehr optimistisch scheinst und das hoffentlich auch weiterhin so bleibst 😘

    Gefällt 1 Person

    1. Dankeee 🙏❤️
      Ja, er ist sehr schlecht drauf momentan…kommt viel zusammen…
      Ich kann’s ihm nicht abnehmen, er muss seinen Weg finden….das ist Arbeit und tut auch weh…aber da kann nur er durch.

      Meine Unterstützung bekommt er, wenn ich weiß wie, das muss er aber genauso selbst rausfinden.

      Ich konzentriere mich auf meine Freude, versuche es zumindest und gehe einfach, until proven otherwise, davon aus, dass ich im Januar Mama werde 🙏🌈🤭🤗

      Ich freu freu freu mich sooooooo🥰

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