Geburtsplanungsgedanken Teil 1

Die Geburt unseres Knödels. Sie steht bevor. Und seit Überschreiten der für mich kritischen Phase von 21 Schwangerschaftswochen, denke ich genau darüber nach.

Wie wird die Geburt?
Wird meinem Kind etwas passieren?
Wird mir etwas passieren?
Wie gebäre ich?
Vaginal oder über den Bauch?
Darf ich es selbst entscheiden oder fällt aus medizinischer Sicht das eine oder andere weg?

Die Gedanken darüber drehen sich seit Wochen im Kreis. Zwischendurch haben sie dolle Fahrt aufgenommen. Es gab einen Zwischenfall, bei dem ich dachte, dass ich nun keine Zeit mehr habe, weiter darüber nachzudenken, dass es jetzt eh anders kommt.

Der Zwischenfall – Montag, 25.10.2021

Nach einem kurzen Nervenzusammenbruch mit Heulkrampf, bin ich notfallmäßig zur Gyn.
S ist auch direkt von der Arbeit in die Praxis, hat alles stehen und liegen lassen und sich auf den Weg gemacht. Er hat mir erzählt, dass er überall gezittert hat und seinem Chef kaum sagen konnte, warum er los muss.

Aber was ist passiert?
Schon am Samstag hatte ich so schlimme Krämpfe während der Hunderunde, dass ich sie weg atmen musste. Gleichzeitig wurde mit so übel, dass ich mich fast übergeben hab, aber nur fast. So richtig mit Wasser sammelt sich im Mund und so….
Zuhause angekommen, Füße hoch, war es dann besser.

Sonntag nichts dergleichen.

Heute dafür umso heftiger. Wieder mensartige Krämpfe während der Hunderunde, bis in den Rücken, und die Übelkeit ließ sich diesmal nicht lumpen – der Kotbeutel wurde kurzerhand zum Kotzbeutel umfunktioniert.

Die Krämpfe ließen beim hinhocken kurz nach und wurden auch beim warm duschen nicht schlimmer. Ich kontaktiere meine Hebamme und schildere ihr alles und bitte Sie, mich zu beraten: entspannen oder zur Gyn?

Bitte sofort zur Gyn. Nicht, dass der Muttermund sich öffnet oder verkürzt. Keine Angst, da kann man was machen, aber es muss dringend nachgeschaut werden.“

Gesagt, geheult, getan.

(Mit „geheult“ meine ich wirklich geschluchzt. Ich hab jetzt noch Kopfweh davon…)

Ergebnis
Es ist alles gut. Zervix ist 43mm lang, also super gut, der Kleine ist quietschfidel, der Ausfluss sauer. Alles top.
Zur Sicherheit noch eine Blutabnahme, um das HELLP Syndrom auszuschließen, es deutet aber egtl nichts wirklich darauf hin.

Ich soll Magnesium nehmen, vor der großen Hunderunde und generell etwas ruhiger.
Die Übelkeit kann von einer Magenschleimhautreizung kommen, Sodbrennen hab ich ja schließlich auch wieder. Also einfach Gaviscon nach dem Essen, das sollte helfen.

Erleichterung pur.
Unser Knödel hat Lust auf uns. Es geht ihm hervorragend. Kein Grund zur Sorge. Auch das HELLP Syndrom oder eine Präeklampsie wurden ausgeschlossen.

Was hat das mit mir gemacht?

Ich bin erschrocken und etwas überfordert mit meiner Reaktion. Nicht nur, dass ich mich bei vermeintlichem Wehenschmerz direkt übergeben muss, auch, dass ich danach einen Nervenzusammenbruch bekomme.
Na klar, der war natürlich auch, weil ich Angst hatte, dass etwas schief geht und wir unser Kind wieder verloren haben. So kurz vor dem Ziel.

Aber das ist nicht der alleinige Grund.
Diese Übungswehen haben mich körperlich in die Geburt unserer Motte vor zwei Jahren versetzt. Ich weiß natürlich jetzt, dass es damals keine „normalen“ Wehen waren sondern ein Wehensturm, ausgelöst durch dieses verfluchte Cytotec. Außerdem war unser Kind bereits tot, ich war noch nicht soweit, sie loszulassen. Alles nicht zu unterschätzende Faktoren, die natürlich diesmal anders sein werden. Cytotec wird in der Klinik nicht verwendet, bei einer Einleitung würde mit einem Gel eingeleitet werden, es wird, laut Ärztin, also nicht so schlimm werden (hierzu mehr im nächsten Beitrag) . Unser Knödel wird lebendig sein und wir werden ihn mit nach Hause nehmen dürfen.
Trotzdem hat sich irgendwie mein Hirn gemerkt, dass ich bei derartigen Schmerzen am besten Erbreche. Wie damals im Krankenhaus.
Mir fällt es schwer zu glauben, dass ich das noch einmal durchstehen kann. Ich denke sehr viel darüber nach, ob es bei der Geburt unseres Knödels, der ja natürlich lebendig und gesund zur Welt kommt, auch so sein wird. Ob ich solche Schmerzen haben werde, dass ich mich ständig übergeben muss, dass ich das Bewusstsein fast verliere.
Oder wird es ganz anders? Weil ich ja weiß, dass unser Kind lebt?

Puh. Es ist einfach der absolute Hirnf**k.

Aber wer weiß, ob diese Option überhaupt zur Verfügung steht.

Der kleine Zuckerbär ist ja schon recht groß geraten, zumindest sagen das drei verschiedenen Ärzte und Ärztinnen, nee, sogar vier. Meine Gyn, der Feindiagnostiker und die zwei Ärztinnen in der Klinik, in der ich entbinden werde. Hier bin ich seit einiger Zeit alle zwei Wochen zur Kontrolle und nun steht eben die Geburtsanmeldung bevor. Es wird jedes Mal ein Ultraschall und CTG gemacht, um alles besser einschätzen zu können.

Es ist noch nicht dramatisch, aber es steht „beginnende fetale Makrosomie“ auf den Befunden.

Noch spricht nix gegen eine „normale“ Geburt, mir wurde aber von Anfang an gesagt, ich solle mich mit dem Thema „Kaiserschnitt“ beschäftigen, da es sein kann, dass das Kind wegen des Diabetes zu groß für eine sichere vaginale Geburt wird.

Also tue ich das. Mich mit dem Thema Kaiserschnitt beschäftigen. Seit mehreren Wochen. Ich lese mir Erfahrungsberichte durch, lass mir von Freundinnen und Bekannten, die einen hatten, Ihre (hoffentlich) ehrliche Meinung dazu geben, hab mich von der Klinikärztin aufklären lassen.

Bis dato empfehlen mir alle durchweg den vaginalen Weg. Dieser sei insgesamt besser und ich sei danach schneller wieder fit. Damit meinen glaube ich alle, dass ich schneller wieder beweglich bin.

Ok, viele Infos, aber für mich unglaublich wichtig. Jetzt muss ich selbige sortieren.

Schaffe ich die normale Geburt, kann ich mein Trauma ausblenden oder gar heilen?
Entscheide ich mich direkt für eine Bauchgeburt und stimme einer großen OP zu?
Kann ich mich, wenn es soweit ist, überhaupt noch wirklich entscheiden?
Wo hört mein Mitspracherecht auf?
Kommt am Ende doch ganz anders?
Denke ich umsonst jetzt in alle Richtungen?

Aber was denke ich denn nu?

Für mich ist eine Entscheidung gefallen. Gemeinsam mit S. Und ich bin einmal mehr unfassbar dankbar.
Für ihn und für unsere Beziehung, für unsere Offenheit und unser Vertrauen und ja… da ist sie wohl, unsere Liebe ❤ .

tbc

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3 Kommentare zu „Geburtsplanungsgedanken Teil 1

  1. Meine Liebe, wenn du einen schönen Geburtsbericht über einen tollen -ungeplanten- Kaiserschnitt lesen möchtest, lies meinen! 😘 Auch bei der natürlichen Geburt gibt es manchmal fiese Verletzungen und nicht jeder Kaiserschnitt ist steril oder kühl. Ich habe wirklich gute Erinnerungen an meinen wundervollen Kaiserschnitt, an das Bonding direkt danach – mein Kind kam sofort auf meinen Bauch/Brust- und ich habe 45 Minuten später gestillt. 😘 LG

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