Geburtsplanungsgedanken Teil 2

Ja. .Es gibt eine Entscheidung. Ich darf mich entscheiden, wie ich die Geburt erleben möchte. Und dafür bin ich abermals sehr dankbar.

Ich habe, wie im letzten Teil bereits erwähnt, wirklich lange und sehr intensiv darüber nachgedacht. Es gab viele Gespräche mit S, viele Stunden googlen und diverse Erfahrungsberichte auswerten. Viele Gespräche mit anderen Muttis, die bereits auf verschiedenste Weise entbunden haben.

Ja, ich möchte mein Kind über eine Bauchgeburt bekommen. Bauchgeburt. Das klingt finde ich mehr nach dem, was es dann auch ist. Unter „Kaiserschnitt“ kann man sich ja nicht so richtig was vorstellen.

Obwohl ich wirklich unerwartet viel positives und verständnisvolles Feedback zu meiner, zu unserer, Entscheidung entgegengebracht bekommen habe, ist es doch auch leider immer noch so, dass man häufig zumindest erstaunt, wenn nicht erschrocken, angeschaut wird. „Aber vaginal ist doch viel natürlicher. Der Körper, also Dein Körper, ist doch dafür gemacht, ein Kind zu gebären. Das ist für Dich und das Kind besser.“

Dann werden meist noch random Begriffe wie „Anpassungsstörungen“ oder „später Allergien“ oder „fehlender Stress“ hinterhergeschoben.

Und ja, das hat mir alles Angst gemacht.
Als ich gesagt bekommen habe, ich solle mich auf Grund meines Diabetes und der Größe des Kindes mit dem Thema „Kaiserschnitt“ beschäftigen, waren das die ersten Eindrücke die ich hatte: es ist nicht natürlich, es ist keine richtige Geburt, ich gefährde damit die Entwicklung meines Kindes, ich kann mich gar nicht um mein Kind kümmern etc. pp

Zum Glück weiß ich aber, wie man Google benutzt und Blogs und Instaprofile findet, die auch einen anderen Blick darauf bieten. Es gibt so viele positive Erfahrungsberichte, so viele Frauen, die eben keine dieser „Spätfolgen“ bestätigen können, so viele, die trotzdem, manche sogar genau deswegen, ein positives Geburtserlebnis hatten. Und da hab ich mich dann ganz schnell wiedergefunden.

Ich habe trotzdem Angst. Logisch. Ich hab Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Aber ich fühle mich, seit ich mich entschieden hab, so viel besser.
Trotzdem hab ich das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Deshalb dieser Beitrag.

Warum will ich eine Bauchgeburt?

Also erstmal, wenn sich Monsieur Knödel von alleine auf den Weg macht und die Geburt vaginal ablaufen kann und dann auch alles gut geht, würde mich das natürlich auch unheimlich glücklich machen. So eine Traumgeburt. Wie man sich das eben so vorstellt. Ohne Geburtsverletzungen, ohne auf den Bauch springen, ohne Hebammenwechsel, ohne tagelange Wehen und vor allem, ohne Komplikationen. Hach. Schön.

Ziemlich wahrscheinlich wird es so aber doch nicht ablaufen. Wenn ich höre und lese, dass es kaum Geburten ohne zumindest einen Dammschnitt gibt oder dass sehr häufig die Schamlippen reißen – ich hab das zuletzt das erste Mal überhaupt gehört und anschließend direkt gelesen, wie häufig das passiert –, ohne Gewalt im Kreißsaal, ob physisch oder psychisch…. Hmm…. ich muss ganz ehrlich sein, ich habe da Angst vor.
Am meisten hab ich aber tatsächlich Angst vor Komplikationen. Ich hab Angst, dass der kleine Mann stecken bleibt. Dass die Nabelschnur um seinen Hals ist, dass er beschädigt oder gar tot zur Welt kommt. Es ist einfach so.
Und nein, ich stelle mir das nicht aktiv und ständig vor.
Ich stelle mir vor, wie ich ihn sehr bald im Arm, auf meiner Brust habe, wie er auf mir schläft, wie ich ihn stille, wie ich weine vor Glück, wie S weint vor Glück. DAS stelle ich mir aktiv und ständig vor und es klappt.
Genauso stelle ich mir eben auch eine ruhige Geburt vor.
Ich muss mir oder anderen nicht beweisen, dass mein Körper „DAS“ kann. Dass er ein Kind zur Welt bringen kann. Er ist in der Lage, das Kind bis jetzt zu versorgen, trotz meines Alters, trotz meines komischen Stoffwechsels, trotz meiner Vorgeschichte. Das macht mein Körper alles. Was muss ich denn da noch beweisen?
Es ist so bemerkenswert und so…Wahnsinn! Und er wird sich auch von einer Bauch-OP erholen. Das kann mein Körper.

Die kleine Geburt 2019 war sehr traumatisch .Sehr sehr sehr. Mir war nicht klar, was da auf mich zu kommt. Was auch gut ist. Aber es war einfach schlimm und hat mich geprägt. Die Gründe liegen ja auf der Hand: totes Kind, viel zu früh, Einleitung mit Cytotec, wenig empathisches Klinikpersonal….

Ich möchte die Geburt unseres kleinen großen Knödels einfach irgendwie schön erleben. Ich freu mich sooooo unfassbar auf ihn und kann’s kaum erwarten. So sehr ich die Bauchwellen auch liebe, die er beim rumturnen und -drehen in Selbigem erzeugt, so sehr freue ich mich ihn endlich abknutschen und riechen zu dürfen.

Die Ärzte, bzw sind die meisten ja Ärztinnen, sagen mir seit Beginn der Schwangerschaft, es käme häufig vor, dass Kinder von Diabetikerinnen geholt werden müssten, dass sie sehr groß sein können, dass eine vaginale Geburt eventuell nicht möglich sei usw usf.

Ok. Also muss ich mich wohl mit der Alternative zur vaginalen Geburt auseinandersetzen. Jut. Mach ick. Und ich mache das ja dann wirklich.

Auch meine Gyn hat mir das von Anfang an gesagt. Zwischendurch sagte sie, eine vaginale Geburt sei aber nicht ausgeschlossen. Ok. Gut. Ich mache mir also meine Gedanken. Tausende. Mindestens.

Doch lieber Einleitung?


Dann spricht sie mich an:
Ich habe im Befund der Klinik gesehen, dass Sie gerne einen Kaiserschnitt hätten? Überlegen Sie sich das nochmal. Sie sind nach einer vaginalen Geburt viel schneller wieder fit und es ist auch besser für das Kind und Sie, wegen Ihres Diabetes.
Ooookeey, das ist auch neu. Dass die Entbindungsart für meinen Diabetes wichtig ist….hmmmm, da muss ich nochmal recherchieren. Dass bei DiabetikerInnen die Wundheilung etwas blöder sein kann, ok, das hab ich schon gehört. Aber bisher wurde da weder was geprüft noch ist mir das bei Wunden aufgefallen. Bisher. Aber ok, sie ist der Profi, ich muss recherchieren.

Aber wenn er so groß ist, dann reiße ich am Ende bis zum Hals auf, oder nicht?“ Ich muss ein wenig lachen, weil es natürlich nicht ganz so ernst gemeint ist, aber naja, so in etwa stelle ich mir das vor.

Dann erklärt sie mir, dass ich ja bei 37+0 oder 38+0 einleiten könnte, da ist er ja dann noch nicht soooo groß.

Ok. Ich nicke und sage ihr, dass ich nochmal in mich gehe. Ich erinnere mich, dass die eine Ärztin aus der Klinik – ich war bisher dreimal da und hatte dementsprechend drei verschiedene Ärztinnen – gesagt hat, bei einer Einleitung würde kein Cytotec verwendet, das sei in der Klinik verboten, es würde mit einem speziellen Gel eingeleitet. Das sei dann auch nicht so schlimm. Sie hat mir zum Schluss auch die beiden Infobögen zu den Entbindungsarte gegeben.

Raus bei der Gyn, fährt mein Kopf schon wieder Karussell….boooah, jetzt hab ich mich gerade entschieden, dann kommt sie mir so….Ich vertraue ihr, deshalb ist es so schwierig, ihre Aussage zu ignorieren. Najut, dann wird eben wieder gegooglet…..bitteschön…

SOLLTE unser Sohn sich wirklich zwei bis drei Wochen vorher auf den Weg machen, also ich bei 37, bzw. 38+0 „geburtsreif“ sein, könnte ja alles gut laufen. Dann würde das Gel auch gut anschlagen, also wahrscheinlich, vielleicht oder so. Wenn ich, bzw mein Kind, bzw mein Muttermund bis dahin aber noch nicht geburtsreif ist, dann kann das ganze wieder sehr sehr sehr unangenehm werden. Sehr schmerzhaft, sehr langwierig. Mir haben drei Berichte gereicht und ich hab hab mich innerlich schon dagegen entschieden. Das ist für mich die denkbar schlimmste Option. Ok, ich zähle eine Notsectio unter Vollnarkose nicht zu den Optionen. Aber bei geburtsunreifen Einleitungen ist die Gefahr, dass am Ende doch ein Kaiserschnitt gemacht werden muss, doch relativ hoch anscheinend. Ich muss mal die ganzen Quellen raussuchen…ich kümmer mich drum.

So, das hieße, bei einer Einleitung zwei bis drei Wochen vor ET, kann es gut sein, dass sich das Wehenerlebnis von vor zwei Jahren wiederholt und ich am Ende dann doch einen Kaiserschnitt benötige. Aber eben mit viel mehr Leid davor. Alleine Physisch. Von der Psyche mal ganz abgesehen.

Mal ganz kurz: man findet im Netz ALLES. Also alle Ansichten. Ich denke, dass ich schon so sehr von einem Kaiserschnitt, einer Bauchgeburt, überzeugt bin, dass ich eigentlich keine positiven Einleitungsgeschichten finden kann. Alle haben einen Haken für mich. Es gibt einige, die es gar nicht schlimm fanden, wo es nach 5 oder 10 Stunden schön geendet ist, aber waren die dann geburtsreif? I don’t know… Nee, ich glaube, ich hab mich einfach schon entschieden. Und wie schlimm etwas ist oder auch nicht ist ja auch super subjektiv. Für mich ist der Gedanke an eine Einleitung einfach der Horror.

Es muss eine Entscheidung her

Eine andere Ärztin, die, der ich auch gesagt habe, dass ich zur Bauchgeburt tendiere, hatte ich von dem „Zwischenfall“ mit den Übungswehen erzählt und meine Vermutung, warum es so schlimm für mich war. Dabei sind mir wieder die Tränen in die Augen geschossen. Wow…wie sehr mich das doch mitnimmt….verrückt.

Sie sagte dann, und das fand ich mega interessant und auch sehr…naja…es hat mir einfach gut getan und mich bestärkt: „naja, aber dann kann man ja auch kaum von einem richtigen „Wunschkaiserschnitt“ reden. Sie sind einfach psychisch so vorbelastet, das ist schon verständlich. Wissen Sie, bei einer vaginalen Geburt spielt die Psyche eine ganz große Rolle, damit alles gut läuft und wenn Sie am Ende zusammenbrechen oder das gar nicht wollen oder blockieren, dann kann es gut sein, dass es wieder ein blödes Erlebnis wird und wir am Ende auch andere Maßnahmen ergreifen müssen. An sich raten wir, sofern medizinisch nichts dagegenspricht, IMMER zur vaginalen Geburt, weil es einfach weniger Risiken gibt, WENN alles so läuft wie es soll. Machen wir uns nichts vor, es kann immer irgendwas schlief gehen. Aber natürlich sind die Risiken bei einer OP offensichtlicher. Denn ein Kaiserschnitt ist nun mal eine große Bauch-OP. Es ist nicht Nichts. Es ist auch nicht einfacher oder besser als eine vaginale Geburt. Sie benötigen im Nachhinein mehr Hilfe, Sie können sich nicht so bewegen, wie sie möchten, Sie sind einfach danach eingeschränkt. Bei einer vaginalen Geburt können Sie meist direkt alles machen wie immer, natürlich nicht, als wäre nichts gewesen, aber sie haben eben keinen Schnitt im Bauch. Aber bei Ihnen kann man einen Kaiserschnitt schon rechtfertigen. Und wenn Sie im Vorfeld einige Vorkehrungen treffen, dass Sie genügend Hilfe haben, dann geht das auch. Bei einer geplanten OP ist natürlich auch alles einfacher, als bei einer Not-OP. Wobei wir hier alle „Gewehr bei Fuß“ für Sie stehen, egal, wie Sie sich entscheiden. Wir können den Termin ja einfach vereinbaren und Sie können sich bis ganz zum Schluss immer noch dagegen entscheiden und sagen, dass Sie es anders probieren wollen.“

Ich fand das einfach toll. Ich hab ihr noch erklärt, dass ich wirklich Angst habe, die falsche Entscheidung zu treffen, aber ich durchaus eine Tendenz hätte.

Ich weiß, am liebsten wäre Ihnen, wenn ich Ihnen die Entscheidung abnehme und sage, sie brauchen definitiv einen Kaiserschnitt. Aber derzeit sieht es nicht so aus. Es spricht rein gar nichts gegen eine „normale“ Geburt.“ – und ja, sie hat beim Wort NORMAL die Gänsefüßchen mit den Fingern gemacht.

Sie hat mich dann über die Risiken aufgeklärt, mir genau gezeigt, was bei einem Kaiserschnitt wie gemacht wird, wo die Ärzte besonders aufpassen müssen usw. Sie hat auch gesagt, die Risiken existieren, sie seien aber sehr selten. Sie hat mir danach gesagt, ich solle mir einfach bis zum nächsten Mal überlegen, wie es sich für mich am besten anfühlt, weil das das Wichtigste sei. Und sie glaubt, dass es mir nach einer Entscheidung deutlich besser gehen wird.

Ganz normale Bauchgeburt

Und ja, damit hat sie recht behalten. Es geht mir besser. in 11 Tagen ist der nächste Termin in der Klinik. Da werden wir die Entscheidung dann mitteilen und einen Termin für die ganz normale Bauchgeburt unseres Sohnes machen.

Und ich freue mich so unendlich und kann mich endlich wieder genau darauf konzentrieren: bald haben wir einen kleinen Babymann zu Hause. Unglaublich. Hihi.

Und mir ist klar, dass es oft ganz anders kommt als gedacht oder geplant, aber naja…so ein wenig, wenn auch nur alibimäßige, Vorbereitung ist doch ganz beruhigend.

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5 Kommentare zu „Geburtsplanungsgedanken Teil 2

  1. Puh, ich denke bei mir wird es ähnlich. Unser Baby ist auch schon viel zu groß. Ich habe auch so meine Ängste, aber anders als bei Dir, musste ich vorher ja 4x zur Ausschabung und nicht gebären. Ich glaube dass wir das schaffen, egal wie. Am Ende zählt nur dass wir unsere Babys gesund in den Armen halten. Und das werden wir! Ganz sicher!

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