„Den haben wir gemacht“

Da isser…ich weiß nicht, wie oft ich das in den folgenden Tagen und Wochen noch denke…Wahnsinn.

Wir drei, also S, Knödel und ich, werden nachdem ich zugenäht bin, in den Aufwachraum gebracht. Naja, also da sollten wir hin. Da ist aber irgendwie kein Platz gerade, deshalb stehen wir auf dem Flur.
Macht alles aber überhaupt nix. Das Licht ist ganz sanft, es ist überhaupt kaum Betrieb, wir sind eh gerade irgendwie in unserer eigenen kleinen und glücklichen Welt.

Und dann ist da wieder Ines. Die Gutste. Sie bringt uns in einen Raum, wo wir dann n paar Minuten tatsächlich ganz alleine sein können.

Sie erkundigt sich noch, wie’s mir geht und sagt, dass alles echt gut gelaufen ist. Der Kleine hätte die Nabelschnur um den Hals gehabt, also gut, dass alles so ist, wie es ist. Sie streichelt mir dabei wieder die Schulter.

Komischerweise kann ich in dem Moment gar nicht erschrocken sein. Ich bin immer noch überflutet mit Glücksgefühlen. S geht’s genauso. Auch ein „stell dir Mal vor….“ kommt keinem von uns über die Lippen. Es ist einfach alles perfekt.

Jetzt gibt es aber doch noch drei „Warte-mals“!

„Warte mal“ Nummer 1

Warte mal. Hab ich tatsächlich vergessen zu erwähnen, dass S die Nabelschnur durchtrennt hat????? Meine Güte. Wie kann ich nur?! Ich möchte bitte anmerken, dass ich wirklich seit sieben Wochen nicht, bzw kaum mehr, schlafe. Gilt das? Hilfe

„Warte mal“ Nummer 2

Warte mal, steht da oben, dass wir alle drei in den Aufwachraum kommen? S auch? Also S ist immer noch da? Trotz Corona? Sollte er nicht nach der Entbindung straight das Krankenhaus verlassen?

Jup, eigentlich schon. Aber weil der Chef-Anästhesist der Klinik der Ehemann der Chefin meiner Schwiegermutter ist, darf er bleiben. Vier Stunden, wenn er will.

DANKE!

Boah, das war noch so ein tolles Geschenk. Mega.

Ich habe den Knödel weiterhin im Bondingtop, er hat nur das blaue Mützchen und eine Windel an. mehr nicht. Es ist einfach so wundervoll. S ist auch total von den Socken und genauso schockverliebt wie ich. Wie unfassbar So ein Wunder.

„Den haben wir gemacht.“ Sagt er ganz leise, während er über Knödelchens Kopf streichelt. Und auch diesen Satz sagen wir beide immer wieder in den kommenden Stunden, Tagen und Wochen. Wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren. Hihi.

So selig wie wir sind, so geschafft sind wir auch. Die OP lief zwar supergut, aber ich merke doch, dass ich sehr müde bin. S geht es genauso. Er ist total platt. Irgendwie ja auch verständlich. Aber alles total egal.

„Warte mal“ Nummer 3

Warte mal, warum ist hier eigentlich nicht mehr die Rede von einer Kaisergeburt? Sollten wir nicht zuschauen dürfen, nur durch eine durchsichtige Plane vom Geschehen getrennt sein?

Jup, so war der Plan. Und ich muss zugeben. Ernsthaft, ich hab’s glaub ich einfach vergessen. Ich hab nicht nachgefragt, als keiner erklärt hat, ab wann wir zugucken dürfen. Ich hab auch am Ende nicht das Gefühl gehabt, es sei anders gewesen als besprochen. Kein Gefühl, etwas verpasst zu haben. Gar nicht. Irgendwann fällt es mir aber auf und ich frage S: „Sollten wir nicht eine Kaisergeburt haben? Hast du was gesehen?“ Er verneint es logischerweise.
„Aber mal im ernst, ich hab so dolle geweiht, ich hätte eh nix gesehen.“ Haha. Das ist echt wahr. Also war’s am Ende“nur“ eine normale Bauchgeburt und was soll ich sagen, ich schwärme immer davon. Es war einfach so unfassbar wundervoll.

Im Aufwachraum

Irgendwann ist dann ein Platz im eigentlichen Aufwachraum frei und wir werden dort hin manövriert. Hier liegen bereits zwei Frauen mit ihren Frischlingen…haha.

Eine eher unangenehme Hebamme stellt sich mir vor und kümmert sich ab dann um den Pupsknödel und mich. S darf immer noch bleiben. Ich weiß ehrlich nicht, wie lange ich dort liege… insgesamt vielleicht vier Stunden, vielleicht fünf.

Kurz bevor ich in mein Zimmer gebracht werde, von zwei unheimlich netten Schwestern, die mir sogar noch zwei Brote geschmiert und gebracht haben, helfen mir die Selbigen beim Aufstehen. Jup. Es ist immer noch der gleiche Tag. Vier, vielleicht fünf Stunden nach der Bauchgeburt. Verrückt, oder?

Was soll ich sagen. es kostet eine Menge Überwindung. Puh. Und ja, es tut auch etwas weh. Aber lange nicht so sehr, wie ich befürchtet habe. Aber die Betäubung ist auch noch nicht ganz weg. Ich darf mir Zeit lassen, beim Aufsetzen und schließlich Aufstehen. Es klappt! Ist das verrückt. Eine der Schwestern hält mich an der Hand und führt mich einmal ums Bett. Als alles gut klappt, stimme ich zu, dass der Katheter entfernt wird.
Oha. Das bedeutet, dass ich, wenn ich heute nochmal zur Toilette muss, dass ich dann wirklich gehen muss. Hilfe. Schaffe ich das alleine?

Naja, muss ich dann wohl, nicht wahr. Und schaff ich locker….hoffe ich.

Los geht’s also. Ab in meine Residenz für die nächsten drei Tage. Zimmer 151.

Zimmer 151

Niedlichknödel und ich werden in das Zimmer direkt gegenüber verlegt. S ist bereits nach Hause gegangen und hat den Familien und Freunden bereits ein Feedback gegeben, dass alles gut verlaufen ist.

Leider haben wir kein Einzelzimmer, also teile ich mir mit einer anderen Mutti und ihrer, wie ich dann erfahren habe, per Notsectio geholten Tochter, die Räumilchkeiten.

Ich gebe zu, ich bin nicht der Mensch, der in Extremsituationen gut neue Kontakte knüpfen kann und bekomme außer ein fast schon verschüchtertes „Hallo“ nix raus. . Aber scheinbar geht es meiner Bettnachbarin ähnlich Zum Glück.

Leider soll es aber nicht ganz so entspannt bleiben.

Wie gesagt, Extremsituation. Total emotional, total surreal, total ergreifend. Alle Sinne sind geschärft.

Und sie schnarcht. Und zwar richtig. Und sie schnarcht nicht nur richtig, sie stöhnt dabei auch noch. Sie stöhnt sowieso die ganze Zeit, weil sie dolle Wasser in den Beinen hat. Sie stöhnt also beim Aufstehen, beim Gehen, beim Hinsetzen, beim Schlafen und….und das ist ihre Hauptbeschäftigung, beim Telefonieren.

Sie telefoniert natürlich nicht leise. Nee. Sie telefoniert „normal“. Also auch nicht besonders laut, aber eben so, dass ich alles mithören und verstehen kann. Zumindest die Telefonate, die auf deutsch und englisch sind. Die auf französisch und einer afrikanischen Sprache (ich weiß echt nicht welche), die höre ich zwar, kann ich aber nicht verstehen.

Es ist belastend. Weil ständig ihr Telefon vibriert. Sie geht immer ran. Sie telefoniert immer. Sie stöhnt immer.

Ich beschwere mich nicht. Ich weiß nicht wieso. Vielleicht weil ich weiß, dass es ja auch für sie eine Extremsituation ist. Aber es ist wirklich unangenehm. Naja, ist ja nicht lange. Und schlafen kann ich auch nicht.

Die erste Nacht….

Baby auf dem Bauch. Baby knutschen. Baby bewundern. Baby kurz einer Nachtschwester zum Wickeln geben. Baby ganz schnell wieder nehmen. Zusagen, dass ich nicht einschlafe, wenn Baby auf meinem Bauch liegt, damit Baby nicht runterfällt oder sonst was passiert. Mich wundern, wie ein so kleiner Mensch so unglaublich perfekt sein kann. Er versucht es nicht, er ist es einfach. Weinen. Weinen. Weinen. Weinen. Fotos. Fotos. Fotos. Fotos. Nachrichten an S schicken, mit Fotos, unter Tränen. Gemeinerweise das Schnarchen der Bettnachbarin aufnehmen und S schicken. Versuchen nicht zu lachen, das geht nämlich noch nicht. Schmerzmittel nehmen. Einen Schluck trinken. Baby knutschen. Baby bewundern. Baby dann doch im Schlafsack ins Beistellbett legen, weil ich denke, ich kann auch etwas schlafen. Realisieren, dass ich falsch gedacht habe. Baby bewundern. Weinen. Weinen. Weinen. Weinen. Fotos. Fotos. Fotos. Fotos. Nachrichten an S schicken, mit Fotos, unter Tränen. Es kaum erwarten können, dass er zur Besuchszeit kommt und Babymann auf dem Arm hält. Es kaum erwarten können, Babymann wieder zu knutschen, wieder auf dem Bauch zu haben. Schmerzmittel. „Wie kann man nur so schnarchen?“ Weinen. Weinen. Weinen. Weinen. „Ich bin Mama. Da isser!“

Oh, es ist 7 Uhr. Am nächsten Morgen. Und schwupps, war gestern der Geburtstag vom Knödel.

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3 Kommentare zu „„Den haben wir gemacht“

  1. Also ich freue mich ehrlich, dass du so ein schönes Geburtserlebnis hattest und auch im Reinen damit bist – das bestätigt mich auch in meiner Empfindung über meine schöne Bauchgeburt. Dass S. sogar die Nabelschnur durchschneiden durfte, ist ziemlich cool.

    Schockiert hat mich, dass die Väter offiziell direkt danach gehen sollen. Gut,dass die Verantwortlichen hier Verständnis und Menschlichkeit zeigten. Das wünsche ich auch allen anderen Paaren!

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  2. Zuerst mal Glückwunsch zur Geburt!
    Ich mag da jetzt gar nix schlecht reden und hoffe, es kommt nicht falsch rüber – aber eine Nabelschnurumschling per se ist nichts Gefährliches und kommt bei etwa jeder dritten Geburt vor 😉

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