Das Fest der Hiebe….

….der Tag sollte noch nicht vorbei sein.

„Jetzt will meine Oma auch noch vorbeikommen und ihn sehen.“ sagt S genervt.

„Na dann….dann haben wir’s hinter uns.“ ich bin einfach zu gerädert, um mich dieser Familie entgegenzustellen.

Man muss dazu sagen, dass ich mit der Oma kein Problem hab. Wobei mit den Eltern vor der Geburt ja auch nicht wirklich.

Die Oma ist Kinderärztin und wird den Pupsknödel noch einen Moment behandeln. Sie ist allerdings eigentlich schon in Rente und arbeitet nur noch stundenweise in einer Praxis.
Ihre Expertise wird uns auch in den ersten Tagen wirklich helfen, also rein mental. Auch ihr Besuch an dem Tag war nicht schlimm. Sie will ihn einfach sehen.

Sie kommt also gegen Abend noch vorbei, Knödel schläft die ganze Zeit. Es ist unspektakulär, alles ok, nix Unverschämtes, soweit ich mich erinnere.

Dann begeht S aber ein Kapitalverbrechen.

Er macht ein Foto von ihr mit dem Babymann und schickt es seinen Eltern.

„Wir kommen jetzt nochmal rüber, alle haben ein Foto mit ihm, nur ich nicht.“
(Ja, sie sagt ALLE! Damit meint sie wohl die Eltern des Babys und ihren Mann, der sich, während ich heulend abpumpen war, fröhlich mit dem schlafenden Baby hat knipsen lassen…sie hat den Zeitpunkt wohl verpasst.)

S informiert mich über die Nachricht seiner Mutter, mit rollenden Augen.. Ich schüttele mit dem Kopf. „Ey, ich bin echt platt. Fotos wird es noch genug geben.“„Ja, ich weiß auch nicht, was das jetzt soll. Ich sag ihr ab.“

Schwiegermutter ist beleidigt. Dolle. Sie schreibt wohl noch, dass wir dann wenigstens morgen, an Heilig Abend, kommen sollen, damit sie ein Foto unter dem Weihnachtsbaum machen kann.

Ich glaube, S hat erst später geantwortet und gesagt, dass wir morgen spontan entscheiden, auch, wenn schon klar ist, dass zumindest Knödel und ich nicht kommen werden. Einfach, um endlich Ruhe zu haben, zerschlägt er ihre Hoffnung noch nicht sofort. .

Dass sie auch an Heilig Abend kein Foto mit ihrem 4 Tage alten Enkel machen kann, wird noch….naja….problematisch. Wie problematisch, wissen wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Long story short: wir sind an Heilig Abend nicht rüber. Also S schon, er hat was gegessen und Geschenke vorbeigebracht. Knödel und ich und H sind zuhause geblieben. Wie geplant.


Let the Wochenbett begin

Das Jahr 2021 dauert nicht mal mehr eine Woche. in dieser Woche hab ich so viel geweint, so oft den Kopf vor Entsetzen geschüttelt, dass ich mir vorerst keine Sorgen um einen steifen Nacken machen muss.

Die Schwiegermutter ist also jetzt schonmal beleidigt, weil sie kein Foto mit ihrem Enkel hat, der ja immerhin schon einen Tag zu Hause ist.

Sie wird noch beleidigter als wir auch am ersten Weihnachtsfeiertag nicht „rüber“ kommen. Also S geht immer, er holt uns was zu Essen. Es wäre ja auch möglich gewesen, dass uns jemand etwas bringt, einfach vor die Tür stellt oder sowas. Aber nee. Da müssen wir schon kommen. So geht’s ja nicht.

Ein absoluter Wendepunkt in der ganzen Story gibt es, als wir zusagen, am 26.12. nachmittags nach der Hunderunde kurz bei den Schwiegereltern vorbeizukommen.

Schon vor der besagten Runde, bekomme ich kaum Luft. Ich rede die gesamte Hunderunde nicht und breche vor dem Besuch, vor dem Eingangstor der Schwiegereltern, in Tränen aus… „Ich will nicht. Ich will einfach nicht. Ich will nur meine Ruhe mit Euch haben. Nicht ständig irgendwen sehen.“

S versteht mich. „Dann bring ich Euch jetzt nach Hause und ich geh dann nochmal hin und sage ab. Ich hab Dir versprochen, Du musst Dich um nix kümmern, ich kläre das.“
Ja, das hat er wirklich. Mehrere Male hat er betont, ich solle mir keine Sorgen machen, er würde mit seinen Eltern reden. Er bringt mich auf die andere Straßenseite, hilft mir den Kleinen aus den dicken Klamotten zu pellen, holt nochmal tief Luft und geht dann wieder rüber.

Ich hab ein schlechtes Gewissen. Wahnsinn. ICH hab ein schlechtes Gewissen, weil ich gerne wochenbetten würde.

S geht also zur seinen Eltern. Als er zurück kommt, etwa nach zwei Stunden, wenn ich mich recht erinnere, fängt er fast an zu Weinen. Und ja, auch er wird im Laufe der kommenden Wochen noch sehr sehr sehr sehr sehr häufig Weinen.

„Ich hab denen erklärt, dass Du einfach noch n bisschen fertig bist, dass das Wochenbett wichtig ist und Du und wir einfach gerne ein wenig Ruhe haben möchten. Sie haben beide geweint und gefragt, warum ich nicht mit dem Kleinen einfach rüberkomme, Du müsstest ja nicht mit…ja, so Kram. Sie sagen, sie hätten es verstanden, aber mal sehen, ob es wirklich so ist.“

Kleiner Spoiler: sie verstehen es nicht.

Ok. Mich plagt mein schlechtes Gewissen. Also schreibe ich Ihnen nochmal eine längere Nachricht, in denen ich friedvoll erkläre, dass es nicht an ihnen oder irgendwem persönlich liegt, sondern ich einfach ankommen will als Mama. Nach den zwei schweren Jahren, in denen sich S und ich mehrfach fast getrennt hätten, nach der Fehlgeburt, mit den vielen Monaten, in denen ich nicht schwanger geworden bin. Dass auch die OP natürlich nicht spurlos an mir vorbei geht, obwohl ich schon wieder recht fit bin, aber es war eben eine große Bauch-OP. Ich erkläre, dass ich emotional einfach total überwältigt bin und wir uns als neue kleine Familie erstmal kennenlernen müssen, erstmal herausfinden müssen, wie so ein Tag mit Neugeborenem abläuft. Dass ich gar keinen Kontakt großartig haben möchte, mit niemandem, weil ich so viel weine und ich erstmal in der Realität ankommen muss. Weil ich einfach so überglücklich bin und das in Ruhe genießen will.

Lalalala, sowas eben. Ich habe des Friedens Willen ausgepackt. Mich mitgeteilt. Mich „nackig“ gemacht.

Reaktion: Gar nix.

Naja, was soll man dazu auch sagen, wa.

Weil wir beim Knödel ja mit dem Gewicht ein wenig Probleme haben, bzw. ich mit dem Stillen, er ganz dolle Bauchweh hat und immer mehr abnimmt, kommt dann die SchwiegerOma und die Schwiegermutter doch nochmal vorbei, um ihn anzusehen und uns zu beruhigen, dass es ihm gut geht. Die beiden haben ja nun mal 30 Jahre zusammen in einer Praxis gearbeitet.

Das ist für mich auch total ok, da geht es um das Wohl meines Kindes.
Aber das reicht der neuen Oma nicht. Sie will ihren Enkel eigentlich jeden Tag sehen.

Das Silvestergespräch

Nochmal muss S rüber. Er muss nochmal erklären, was Wochenbett bedeutet.
In diesem Gespräch wird außerdem noch zusätzlich erwähnt, dass wir Silvester nicht feiern. . Warum das nicht sowieso klar ist, ist mir noch immer ein absolutes Rätsel.

Das gemeinsame Neujahrsfest scheint aber bei den Schwiegereltern fest eingeplant zu sein.
Am Tag, als wir aus dem Krankenhaus kommen, sagt die Schwiegermutter nämlich sowas wie: „keine Angst, ich hab Oma schon gesagt, dass sie Silvester nicht rüberkommen soll, dass wir in Ruhe feiern.“ und lacht dabei und kuckt uns an. Ich frage ungläubig S als sie weg sind, ob ich was verpasst hab. Ob wir verabredet sind? Ob sie mit „dass WIR in Ruhe feiern“ uns mit meint?
Er schüttelt mit aufgerissenen Augen den Kopf. „Auf keinen Fall.“

Wir haben zu dem Zeitpunkt nix dazu gesagt, vielleicht haben wir sie nämlich einfach falsch verstanden. Aber leider nicht.

Kurz zum Hintergrund:
Ich habe eine fast 12-jährige Hündin, die Feuerwerk zurecht hasst. Sie hat einfach Angst. Ich lasse sie doch nicht hier alleine. Ich kann auch mit ihr ab dem 30.12, 18 Uhr, kaum noch raus gehen, weil dann ja alle schon anfangen, ihre dämlichen Böller zu zünden. Noch weniger kann ich mit ihr also am 31.12. selbst draußen durch die Gegend laufen…Sie geht nur in den Garten, wenn überhaupt. Natürlich biete ich ihr immer an, eine Runde zu drehen, aber sie geht nicht aus der Haustüre. Und zwingen werde ich sie sicher nicht.
Wir gehen also natürlich nicht „nach oben“ (also an die Straße), um um 0 Uhr anzustoßen. Was für ein Quatsch. Haben wir die letzten Jahre doch auch nicht. Naja ok, ICH habe das die letzten Jahre auch nicht. Jedes Jahr an Silvester, seit fast 12 Jahren, bin ich drin, mit H. Nicht unbedingt alleine, ohne Gäste oder so, aber ich gehe NIE auf die Straße um mir Feuerwerk anzukucken. Seit 12 Jahren nicht. Und mir fehlt es an nix. H geht absolut vor.

Um mich oder H geht es hier aber ja nicht,
Es geht also darum, dass S mit dem Kleinen „nach oben“ kommt. Damit Opa dem Enkel das Feuerwerk zeigen kann.

Hä??????? Der Enkel ist an Silvester ganze 11 Tage alt. Wie zur Hölle kommt man bei einem Neugeborenen darauf, dass Feuerwerk genau das ist, was es braucht??

Little Reminder: Schwiegermutter ist gelernte Krippen-Erzieherin und hat danach, nach einer Umschulung, 30 Jahre als Medizinische Fachangestellte in einer Kinderarztpraxis gearbeitet. Ich hätte dementsprechend mehr Verständnis erwartet.
Aber ihre Erklärung ist, dass ihr Vater das mit S auch gemacht habe. Nur war S da bereits 9 Monate und nicht 11 Tage alt….meine Güte ey….

Auch deren vorgeschlagene Alternative, dass sie Silvester mit uns bei uns feiern, ohne auf die Straße zu gehen, lehnen wir ab.

S kommt von dem Treffen mit den Eltern zurück, weint, erklärt, dass sie beide geweint haben und es überhaupt nicht verstehen, warum auf einmal (!!!) kein Silvester zusammen gefeiert wird.

An Silvester selbst kommt noch eine Nachricht von der neuen Uroma, aus ihrer Sicht würde nichts dagegen sprechen, dass wir uns alle an Silvester treffen.
S hätte ja jetzt auch einen Sohn und würde auf ihn aufpassen, so passe sie auch auf ihre Tochter auf. Sie habe ihre Tochter noch nie so traurig gesehen, außer, als ihr Vater gestorben sei….

OH. MEIN.GOTT.

Wie sich einfach alles um die Mutter dreht. Das ist ja irre. Ich frage S, was bei seiner Familie los ist?
Alle haben Angst vor den Gefühlsausbrüchen seiner Mutter. Alle.

Ja, das sehe ich….das ist doch krank! Ja…naja…so ist es aber nun Mal.


Tjaaaa….soweit die Vorgeschichte und Ausgangslage. Ab jetzt ballere ich mal die Fakten raus, damit ich es endlich hinter mich bringe, diese Erinnerungen machen mir wirklich noch immer dolle Bauchweh, vor allem, weil auch immer neue dazu kommen.

Herzensbrecher

Wir haben täglich Fotos und kurze Clips vom neuen Babymann an die Familie geschickt, damit sie nix verpassen.
Ein Hady vibrierst. Es ist das Handy von S. Er liest. Schüttelt den Kopf. Atmet schwer. Legt das Handy weg. Nimmt die Hand schützend und stützend ins Gesicht.

„Meine Mutter. Sie schreibt, wenn sie ihren Enkel nicht live sehen darf, dann will sie auch keine Fotos und keine Videos. Das würde ihr das Herz brechen.“

„Ist nicht Dein scheiß Ernst?! Was soll denn das???“

„So hat sie sich Oma und Opa sein nicht vorgestellt, schreibt sie. Sie ist total enttäuscht und versteht nicht, warum wir ihnen das Kind vorenthalten.“

„Alter….Du warst doch drüben, oder? Du hast doch mit denen geredet, oder? Du hast denen das doch erklärt, oder?“

Ja. Ja. Ja. Ja.

Ich war ja nicht dabei, glaube ihm aber natürlich, dass er deutlich gemacht hat, um was es geht.

Hier fängt für uns eine wirklich schwere Zeit an.
Der tägliche Kontakt zu den Eltern bricht mehr oder weniger ab.
Sie bekommen, wie gewünscht, keine Fotos mehr, zumindest die Mutter nicht. Der Vater reagiert nur mit Einwortsätzen. „Chic.“ oder „schön“ oder „wow“.

Es vergehen drei Tage, an denen S völlig fertig ist mit den Nerven. Ich zusätzlich. Wir weinen beide sehr sehr sehr viel, versuchen zu verstehen, was das alles soll.

Dann kommt der 03.01.2022.


Das Handy klingelt

Ich schicke aus Versehen ein Foto vom Knödel im Tiefschlaf in eine Gruppe, in der Schwiegeroma, Schwiegertante und Schwiegermutter drin sind.

Die ersten beiden reagieren verzückt und kommentieren, wie niedlich der kleine Mann ist und wie wohl er sich zu fühlen scheint.

S und ich ziehen gerade unsere Jacken an, wir wollen spazieren gehen.

Dann klingelt mein Handy.

„Deine Mutter ruft an.“ – „Was ist denn jetzt?“ – „Soll ich ran gehen?“ – „Musst Du wissen.“

Ich gehe ran. Böser Fehler.

Sie fängt an mit: „Weil Du gerade das Foto geschickt hast, dachte ich, es geht jetzt….“
Beim nächsten Satz fängt sie schon an zu Weinen.

Sie sei auf Arbeit und habe jetzt allen Mut zusammengenommen, und mich angerufen.
Ich solle ihr JETZT sagen, wann sie ihren Enkel sehen dürfe. Sie sei so enttäuscht. Warum ich ihn vor ihnen verstecken würde, ihnen vorenthalten würde. Dass es genau das sei, was ich machen würde. Ihnen das Kind vorenthalten. Ich würde die Familie zerstören. Ach nee, ich würde „alles“ kaputt machen.
Außerdem, und jetzt kommt’s, müsse ich auch sie verstehen, mich in sie hineinversetzen. Es sei ja in Ordnung, dass ich Ruhe bräuchte, aber 14 Tage?! Es sei schließlich jetzt die wichtigste Zeit für sie.

Da hake ich dann auch endlich mal ein und sage, dass das so nicht stimmt. Dass es die wichtigste Zeit für UNS ist. Für S, Knödel, H und mich. Für die neue kleine Familie. WIR müssen uns jetzt kennenlernen und einspielen. Die Zeit der Großeltern kommt dann irgendwann.

Dann sagt sie noch, dass ihr Sohn ja nicht mal mehr zu Silvester vorbeikommt, suggeriert, ich würde es verbieten.

Und sie hätte mich ja so gerne unterstützen wollen, aber ich würde das nicht zulassen und alles mit der Hebamme machen. Sie habe ja schließlich Krippenerzieherin gelernt, vor über 30 Jahren. Sie würde mir so gerne zeigen, wie man mit den Kleinen umgeht. Aber ich würde nur die Hebamme und Freundinnen fragen.

Dass mir daraus mal ein Strick gedreht werden würde…verrückt….
Sie hat es aber ja schon erkannt, ich habe eine Hebamme. Und Freundinnen, die schon Kinder haben. Und meine Schwiegermutter ist nun mal nicht meine Mutter. Die ist schon tot.

Hach ja….schräg.
Nach 10 Minuten ist das Gespräch vorbei. S steht die ganze Zeit mit fest zusammengepresstem Kiefer daneben, kann also alles mithören.
Er hat einen hochroten Kopf und sagt nur: „Du warst sehr respektvoll, ich bin total beeindruckt, wie ruhig du geblieben bist. Ich hätte damit gerechnet, dass du sie komplett zusammenlegst. Danke dafür erstmal. Ich gehe da nachher rüber und kläre das.“

Das hat er dann auch. Er sagt, er habe sie angebrüllt und gefragt, was ihr scheiß Problem sei. Dass sie ja traurig sein kann, dass sie ihren Enkel nicht jeden Tag sieht, dass sie ihre Gefühlsausbrüche aber für sich behalten müsse, weil wir gerade andere Prioritäten haben. Weil WIR gerade ein Kind bekommen haben. WIR.
Natürlich hat er nochmal erklärt, dass es nicht darum geht, dass sie ihren Enkel niemals sehen dürfen und blablablabla.

Ja…danach ist bei mir dann endgültig die Beziehung zu meinen Schwiegereltern hinüber. Wir müssen komplett bei null anfangen, wenn wir wieder miteinander umgehen wollen.


Annäherung

Die folgende Tage werden sehr schwer.

S ist total fertig, traut sich kaum auf die Straße, aus Angst, seine Eltern zu treffen.

Wir reden viel. Wie soll es weiter gehen? Ziehen wir um? Werden wir gar rausgeworfen? Wird es jemals normal werden?

Die Hebamme und meine Gyn geben uns den Tipp, in jedem Fall zu probieren, die Wogen zu glätten. Wenn es aber überhaupt nicht geht, muss man manchmal leider den Kontakt abbrechen.

Das will natürlich erstmal keiner. Außer ich. Aber es ist auch nicht meine Familie, quasi. Wären es meine Eltern, würde ich da auch anders drüber denken, schätze ich mal.

Wir reden also viel darüber, wie wir weitermachen. Für mich ist klar, ich kann erst wieder mit seiner Mutter in einem Raum sein, wenn ich mit ihr gesprochen hab. Wenn ich von ihr höre, dass sie weiß, dass sie egoistisch und egozentrisch und unsensibel ist. Und wenn sie sich entschuldigt. Aufrichtig.

Weil S mich kennt, bittet er mich, nicht mit ihr zu reden. „Das geht nicht gut aus. Du bist so sauer, du zerlegst sie doch total. Dann ist alles vorbei.“ – „Ja na und?! Das hat sie doch provoziert! Sie verhält sich die ganze Zeit wie ein Arsch und ich soll jetzt auch noch alles runterschlucken und so tun, als sei nix???? Sie macht mein Wochenbett kaputt und ich soll sie dafür belohnen?“ – „Ja, das wäre gut. Du siehst doch, dass sie es nicht checkt. Es ist aber meine Mutter. Wir müssen irgendeinen Weg finden. Oder ich zumindest. Ich weiß, du würdest am liebsten gehen und sie nie wieder sehen.“ – „Jup. So ist das. Und das hat sie ganz alleine so gemacht.“

Er hat recht. Ich weine zwar viel , weil ich mich fühle, als würde mir ein Maulkorb angelegt, weil ich wieder etwas machen muss, was ich nicht will, weil ich die ganze Zeit schon das Gefühl hab, aushalten zu müssen und überhaupt keinen Bock mehr drauf hab. Aber ich willige ein. Dann rede ich halt nicht mit ihr. Also nicht darüber. Ich tue so als ob. Was ich hasse. Aber ich tue es S zuliebe. Er ist mein Partner, der Vater meines Kindes. Ich liebe ihn. Ich tue es für ihn und unsere Beziehung.

Irgendwann vereinbaren wir einen Besuchstermin, da bekomme ich gar nicht mehr alles zusammen. Ich glaube, ich gebe ihnen den Kleinen sogar auf den Arm. Ja. Die Welt scheint in Ordnung. Zumindest für die beiden. Mir ist schlecht und ich beiße so sehr auf die Zähne, dass mein Kiefer sich fast ausrenkt.

Naja, der erste Schritt ist getan. Zumindest von unserer Seite. Von wem auch sonst….

Kurz mal einkaufen

S bittet seine Mutter, ob sie mit ihm kurz mal einkaufen fahren kann. Er hat keinen Führerschein, ich kann wegen des Kaiserschnitts noch nicht fahren. Natürlich willigt sie ein.

„Na dann machen wir ne Hunderunde, wenn Du wieder da bist?“ – „Ja cool.“

Die beiden fahren los. S sagt mir noch, dass sie aber garantiert danach mal mit rein kommen will, er das auch machen würde. Ich verdrehe die Augen. „Okeee….Hat halt alles seinen Preis, nicht wahr?“
S kuckt mich etwas angesäuert an, als wolle mir sein Blick sagen, dass ich jetzt aber wirklich auch mitmachen müsse, wenn das was werden soll mit Knödels Großeltern.
„Ja tut mir leid. Ich versuch’s ja.“

Er wird abgeholt. Sie sind einige Zeit unterwegs. Als sie wiederkommen, bin ich gerade in den letzten Zügen, die kleine Knutschkugel zu füttern.

Schwiegermutter kommt mit rein, ein leises „hallo“, setzt sich hin. Ich schlucke alle Prinzipien runter und gebe ihr den Kleinen. Zwar erst nach ein paar Minuten, aber ich tue es. S bestätigt mir später meinen Eindruck, dass ihr Blick sich während sie ihren Enkel auf dem Arm hat, irgendwie in unheimlicher Weise verändert. Ich habe es debil genannt, Ihm fällt auch keine bessere Beschreibung ein.

Wir wollen ja direkt weiter zur Hunderunde. Das schmeckt Oma überhaupt nicht. Sie gibt ihren Enkel zwar zurück, Ihre Mimik verrät aber ihre Enttäuschung. Sie wird später behaupten, wir würden nicht wollen, dass er bei Oma auf dem Arm ist, sonst wären wir nicht sofort mit dem Hund raus.

Nachdem ich dann nochmal erklärt hab, dass der Hund ,den sie ja so unglaublich gut erzogen und ausgeglichen finden, nicht so ist, weil er (es ist eine sie) den ganzen Tag drin rumhängt. Er, also sie, muss bewegt werden. Mehrmals am Tag. Länger als 15 Minuten.

Für sie könnten wir aber schonmal eine Ausnahme machen. Ja….neee. Danke.

Die Stimmung mal wieder ruiniert….

Kurz mal durchatmen

So, hier mache ich eine Pause. Das war’s aber noch lange nicht…..Der kleine Pups ist ja schon 12 Wochen, da ist für so einige Unverschämtheiten Platz. Und sie werden kommen.

Ich werde noch genau einen Beitrag über deren Verhalten schreiben, danach erzähle ich von den schönen Dingen, die glücklicherweise auch passiert sind.

Denn bei all dem negativen Mist, darf ich das für mich Schönste der Welt erleben und ganz richtig aktiv Mama sein, bzw. werden. Es ist ja eher so learning by doing. Und ich liebe Lernen. Und ich liebe Aktion.

Stay tuned, bloofers ❤

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4 Kommentare zu „Das Fest der Hiebe….

  1. Puuuuh…. Und wieder einmal bin ich froh, dass meine Schwiegereltern so weit weg wohnen.

    Ich beneide alle Familien, die Großeltern in der absoluten Nähe haben mit denen es gut (!) läuft. Denn auch das gibt es ja. Und das kann eine so wahnsinnig große Hilfe sein. Meine Mama ist auch eine große große Hilfe (wohnt aber leider auch viele 100km weit weg von uns), aber auch sie hat im ersten Lebensjahr von Madita Sachen gebracht, die mich echt sauer gemacht haben. Da war die Entfernung dann manchmal irgendwie auch gar nicht schlecht. Wobei es bei ihr prinzipiell toll wäre, wenn sie näher an uns dran wäre. Es ist schon toll, wenn Großeltern viel Zeit mit ihren Enkeln verbringen können, das gerne tun (tun ja leider nicht alle) und den Eltern damit auch viel abnehmen können. Ich bewundere alle Familien, bei denen das so klappt.
    Leider ist die Konstellation, wie du sie beschreibst keine Seltenheit. Und dann ist es die absolut ungünstigste Variante, wenn man dann noch so nah aneinander wohnt.

    Ich verstehe auch immer nicht, wie nach der Geburt eines Kindes alle so am Rad drehen, dass die Bedürfnisse der frisch gebackenen Mama (und auch des Papas) so völlig untergehen und viele nur noch im Tunnelblick das Baby sehen und dass sie es gerne ganz viel halten wollen. Wie bekloppt ist das bitte? Vor allem bei Omas frage ich mich dann: habt ihr komplett vergessen wie es euch so kurz nach der Geburt ging?!?

    Deinen Blogeintrag zu lesen hat mich echt sauer, wütend und traurig gleichzeitig gemacht.
    Unglaublich, wie sie es geschafft haben, euch so viel Kummer zu bereiten anstatt euch in dieser Zeit zu unterstützen und mal darüber nachzudenken, was EUCH gut tun würde. Echt unfassbar.

    Deine Schwiegermutter hat wahrscheinlich keine Tochter? Das klingt so ein bisschen so… Ich hab die Erfahrung gemacht, dass diese klassischen Klischees dann nämlich leider nochmal extremer ausgeprägt sind.

    Meine Schwiegermutter hat nur einen Sohn. Und bereits vor der Geburt meiner Tochter hat man gemerkt, wie sie unbedingt eine ganz enge Bindung zu mir haben wollte und wichtiger werden wollte als meine Mutter. Und in einigen Situationen fast schon beleidigt war, dass dem nicht so ist.
    Dass sie damit alles nur total kaputt macht und selbst die Beziehung, die wir evtl hätten haben können, wenn sie nicht so einen extremen Druck machen würde und ständig beleidigt wäre, das sieht sie nicht.
    Und das scheint bei deiner Schwiegermutter dasselbe zu sein.
    Schade, dass noch nicht einmal ihr Umfeld ihr klar machen kann (oder das zum Teil anscheinend auch nicht sieht), dass sie damit genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie sich eigentlich wünscht.

    Ich hoffe ihr habt mittlerweile Wege gefunden damit besser umgehen zu können. Das Wochenbett soll eigentlich eine Zeit der Ruhe, des Ankommen und Kennenlernen sein. Und nicht geprägt von so viel Mist, der mit den ganzen Hormonen nochmal schwerer zu ertragen ist.

    Fühl dich unbekannterweise gedrückt wenn du magst. ❤️

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für dein Kommentar 🤗❤️

      Ja, ich bin auch jedes Mal fassungslos, wenn ich drüber nachdenke….

      Mein Partner ist Einzelkind, also ja, meine Schwiegereltern haben nur einen Sohn.
      Und es ist leider wirklich so, dass NULL Unterstützung kam, sie waren, und sind leider immernoch, ständig nur beleidigt…

      Erst vorgestern musste S wieder zu einem „klärenden“ Gespräch zu ihnen….

      Ich werde bald berichten und das Thema dann hoffentlich schließen können 😩

      Lieben Dank und alles Liebe Dir ❤️

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  2. Hach, ich sag dir eines – das ist leider die schrecklich gemeine Wahrheit, die einem davor niemand sagt – wie die Schwiegerfamilie am Rad drehen wird. War bei mir in allen Zügen fast erschreckend ähnlich, absolut distanzlos, nur am eigenen Willen durch boxen und ich bin ehrlich – das einzige was geholfen hat oder hier hilft ist sich selbst schützen und den Kontakt einschränken.
    Mein Mann fährt runter, ich ein paar Mal im Jahr gezwungener maßen, ich würde meine Kinder aber nie den Löwen zum Frass vorwerfen. Sie können das selbst einmal entscheiden, wenn sie dazu in der Lage sind. . . .
    Die eigenen Eltern kann man sich zur Brust nehmen, die Schwiegerfamilie bestenfalls nur ermorden. Sorry wenn ich dir dazu keine Hoffnung machen kann . . . 😉 und vor allem denk nicht darüber nach, wer dich nicht respektiert und Grenzen / Bedürfnisse wahrt kann es auch nicht von anderen erwarten

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für dein ernüchterndes Feedback 😩😩😩

      Ich schreibe ja noch einen Beitrag, da wird auf jeden Fall deutlich, wie recht du zu haben scheinst…es ist wirklich so unglaublich unbegreiflich….

      Alles Liebe dir 🤗

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